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Wolfgang Ponader » Jorge Sarmientos - eine anekdotisch-feuilletonistische Biographie

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Jorge Sarmientos - eine anekdotisch-feuilletonistische Biographie


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1.1. Familiärer Hintergrund und Kindheit


Jorge Alvaro Sarmientos de León wurde am 29. Februar 1931 in San Antonio Suchitepéquez (ca. 150 km entfernt von der Hauptstadt Guatemala Ciudad de la Asunción) in der Nähe der Kreisstadt Mazatenango im Verwaltungsbezirk Suchitepéquez  als erstes von acht Kindern geboren. 15 Tage vorher, am 14. Februar 1931 hatte  das Militär unter General Jorge Ubico Castaneda die Staatsgewalt in Guatemala übernommen. Der Vater Julio Vicente Sarmientos war ein einfacher  Campesino [1] und stammte aus dem Ort Cuyotenango, die Mutter, Maria Bertha de León de Sarmientos lebte in San Antonio. Nach dem Tode einer Tochter überlebten von den insgesamt acht Kindern des Ehepaars drei Töchter und vier Söhne.
Die Geschichte des Dorfes San Antonio reicht weit in die vorspanische Zeit zurück. Die Mayas nannten die Siedlung „Ort des Trueque“, Ort des Handels. Fünf  an dieses Gebiet angrenzende Mayastämme  (Mam , Pokomam, K´iche´, Tzutujil, Kak´chikel) trieben untereinander Tauschhandel mit Kakao und anderen Früchten. Noch nach dem Einfall der Spanier wurde San Antonio als regionales Verwaltungszentrum benutzt. Erst viel später verlegte man die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks nach Mazatenango, was in der Sprache der Indígenas[2] „Platz des Hirsches“ bedeutet. Bis heute nennt man in der Region die Einwohner San Antonios Tunecos. Die Bezeichnung geht auf die aus einem ausgehöhlten Stamm  des Hormigo-Baumes geschnitzte Schlitztrommel Tun zurück, welche dort häufig verwendet wurde.  Aus dem gleichen Holz werden auch die Klangstäbe des guatemaltekischen Marimbaphons gefertigt.
Jorge Alvaros Urgrossvater musste wegen Verstrickungen in eine Revolte gegen die Monarchie aus Spanien nach Guatemala fliehen. Er war der einzige Spanier in der Familie, alle folgenden Generationen waren Mestizen. Der Grossvater starb früh in einem Krieg (der in Guatemala als La guerra de Regalado bekannt ist) während der Amtszeit des Präsidenten Cabrera [3]. Der Vater Julio Vicente wurde deswegen schon als fünfjähriges Kind zum Arbeiten auf die Finca[4] San Ignacio in der Nähe von San Antonio geschickt. Er konnte  nie eine Schule besuchen und lernte neben der Arbeit in der Landwirtschaft die notwendigsten Dinge von seiner kleineren Schwester, so auch das Kopfrechnen, das er Zeit seines Lebens überdurchschnittlich gut beherrschte. Daneben fiel Julio Vicente (Jorge Sarmientos´ Vater) durch seine Geschicklichkeit im Umgang mit Farbe und Pinsel auf, er malte sogar Landschaftsbilder.
 Auch das Spiel des guatemaltekischen Nationalinstruments, der Marimba hatte in der Familie eine Tradition. Jorge Sarmientos´ Grossvater und dessen Brüder formierten ein in der Gegend bekanntes Marimba-Ensemble La Marimba de los Sarmientos.  Die Familie war mit den interessantesten Marimbaspielern Guatemalas, wie zum Beispiel mit  Don Mingo Bethancourt befreundet, welcher das „Marimba-Ideal von Quetzaltenango“ verkörperte[5]. Also wurde Jorge Alvaro mit drei Jahren von seinem Vater im Marimbaspiel unterrichtet, allerdings ohne Noten zu benutzen und nur nach dem Gehör. In den ersten Jahren überraschte der Vater ihn oft, wie er als fünf- oder sechsjähriger Junge mit einem Zweig das Muster der chromatisch angeordneten Klangstäbe in den Sand zeichnete und auf  diesem Muster übte. Jorge Alvaro stellte sich dabei in seinem Kopf die verschiedensten Klänge vor. Zuerst erfand er Melodien und später in einer anderen Lage dieser imaginären Marimba die dazu passenden Harmonien.
Mit der Entstehung der großen Bananenplantagen der nordamerikanischen Standard Fruit Company um San Antonio herum, wanderten Tausende Arbeiter und Angestellte in die Gegend ein. Gleichzeitig, in den Jahren 1937-1938 , bestätigte sich General Jorge Ubico und seine Militärdiktatur weiter im Regierungsamt[6]. Jorge Alvaros Vater wurde arbeitslos und die Mutter musste allein den Familienunterhalt bestreiten. Auf den Plantagen arbeiteten viele Negros[7] aus Belize als angestellte Kontrolleure der Produktionsqualität der angebauten Früchte. Die Familie verdiente sich nun ihren Lebensunterhalt, indem sie die Wäsche dieser Arbeiter im nahegelegenen Fluss wusch und Vater Vicente und sein Sohn sie anschließend bügelten. Für jedes gebügelte Hemd wurden drei Centavos bezahlt.
Ein für Jorge Alvaro faszinierendes Erlebnis war die erstmalige Begegnung mit aufgeschriebener Musik in der Kirche im Alter von sieben oder acht Jahren. Der Priester sang während der Messe aus einem großformatigen Folianten liturgische Melodien in Quadratnotation. Allein die Tatsache der Möglichkeit des Ablesens und Singens notierter Musik bewegte Jorge so stark, dass er zum Erstaunen seines Vaters lange Zeit Priester werden wollte[8].
Ein weiteres bleibendes Erlebnis für den Jungen war die Gelegenheit, anlässlich des jährlichen Karnevalfestes in Mazatenango mit dem berühmten Marimbista und Freund seines Vaters, Don Mingo Bethancourt gemeinsam spielen zu dürfen. Damit er die Klangstäbe einer für Erwachsene konstruierten Marimba überhaupt erreichen konnte, musste man den Kleinen auf die Schlägelkiste stellen. Jorge Sarmientos spielte in diesem Alter Stücke aus dem Radio auf Grund seines absoluten Gehörs problemlos nach und brachte sie seinen älteren Freunden anschließend systematisch bei, zuerst die Melodieteile, dann die dazugehörenden Rhythmen und Harmonien. Diese Marimba-Vereinigung von Kindern und Jugendlichen nannte sich De los patojos und spielte Stücke der Ensembles Maderas que Cantan  und La Palma de Oro nach, welche 1938 in den Radiosendern Radio Morse und Voz de Guatemala zu hören waren[9]. Nachdem 1944 die Oktoberrevolution stattgefunden hatte, feierte man in ganz Guatemala Feste zu Ehren des ersten zivilen Präsidenten Dr. José Arevalo. Dem damals vierzehnjährigen Jorge wurden für dieses Fest angeblich die ersten richtigen Schuhe gekauft. An diesem Tag, berichtete Jorge Sarmientos im Jahre 2000 in einem Interview, spielte er fast acht Stunden lang ununterbrochen Marimba.
Nach Abschluss der Grundschule, in der kein Musikunterricht stattgefunden hatte, scheiterte 1945 der erste Bewerbungsversuch um ein Stipendium für das Nationalkonservatorium in der Hauptstadt. Die Ursache war nicht die mangelnde musikalische Eignung Jorges, sondern  der einzige freie Studienplatz wurde dem Neffen eines Inspektors des Konservatoriums zugedacht[10]. Jorge musste nun als Lehrling an einer Maschine in der Fabrik Banano Pasa von Paco Miralles in San Antonio  arbeiten und in seiner Freizeit wirkte er in dem professionellen Marimba-Ensemble Joya Tuneca seines Vaters Vicente bei der Einstudierung neuer Repertoirestücke mit. Sein absolutes Gehör ermöglichte es ihm wie schon früher, ohne Notenvorgabe die einzelnen Marimbapartien abzuhören und den beteiligten Spielern an ihren jeweiligen Positionen beizubringen. Gespielt wurde guatemaltekische und europäische Salon- und Konzertmusik, darunter auch Walzer der Strauss-Familie und Ouvertüren von Franz von Suppé. In vielen Interviews im Jahre 2000 betonte Jorge Sarmientos immer wieder, dass sein Zugang zur Musik ausschließlich über die Música popular und den Swing-Jazz erfolgte und erst viel später die traditionelle europäisch-sinfonische Musik hinzukam.
1.2.  Ausbildung am Nationalkonservatorium in der     Hauptstadt und erste Kompositionen
 
Anläßlich der  Feierlichkeiten seines Besuches in San Antonio Suchitepéquez im Jahre 1946 erlebte der damalige Erziehungsminister Manuel Galich das Marimbaspiel des jungen Jorge Alvaro und wurde um Hilfe für die Entwicklung dieses Talents gebeten. Seine Intervention ermöglichte 1947 eine Aufnahmeprüfung für Jorge Alvaro Sarmientos am Konservatorium der Hauptstadt. Zunächst lehnten ihn die Instrumentallehrer für Violine und Klavier wegen seiner groben Landarbeiterhände und der unpianistischen marimba-ähnlichen Klavierspielweise (die Finger benutzte er wie Schlägel) ab. Der damalige Direktor des Konservatoriums, der Pianist Salvador Ley[11] war auf die „Eigenkompositionen“ Jorges aufmerksam geworden und ließ ihn mehrere dieser Stücke[12] und die guatemaltekische Nationalhymne mit 3 Schlägeln auf der Marimba vorspielen. Den endgültigen Ausschlag für seine Aufnahme als Studierender des Konservatoriums gaben sein gut ausgebildetes musikalisches Gehör und die Fürsprache  des Oboisten Manuel Gómez Samayoa, der ihn als geeignet für dieses Instrument erachtete und ihm das Oboen-Studium empfahl. Entgegen dieser Empfehlung entschied sich Sarmientos jedoch für das Studium der Instrumente Saxofon und Klarinette als Hauptfächer[13], Klavier fungierte für die nächsten drei Jahre nur als obligatorisches Nebenfach. Er wählte es aber nach einer erfolgreichen Nebenfachprüfung im Jahre 1949[14] auf Anraten der Pianistin Georgette Contoux-Cantet de Castillo[15] (sie hatte bei der Aufnahmeprüfung Sarmientos das Klavierstudium verweigert) in den folgenden Jahren sogar zu seinem Hauptfach. Eine Hauptrolle in der pianistischen Entwicklung spielte dabei sein Klavierlehrer und späterer Freund, der aufstrebende junge Pianist José Arévalo Guerra[16], der 1955/56 mit ihm zusammen ein Auslandsstipendium in Paris antrat. Ihm verdankte Jorge Sarmientos sein gesamtes pianistisches Können.
Jorge Sarmientos studierte von 1947 bis 1953/54 am Conservatorio Nacional de Núsica y Declamación de Guatemala als Schüler des angeschlossenen Knabeninternats (estudiante interno). In den ersten beiden Studienjahren 1947 und 1948 dauerte das Schuljahr von Mai bis zum darauffolgenden Februar, nach 1948 wurde von Februar bis November gearbeitet. Sarmientos kehrte nur noch während der Osterwoche und in den Ferien nach San Antonio zurück.
Der Tagesablauf im Internat war streng organisiert[17]. Um 5 Uhr morgens wurde aufgestanden, bis zum Frühstück  um 6 Uhr 45 betrieben die Schüler Sport (entweder Fußball oder Schwimmen). Nach dem Frühstück um 7 Uhr 15 bis zum Unterrichtsbeginn um 8 Uhr war Körperpflege vorgeschrieben. Bis 12 Uhr mittags dauerte der Unterricht, 12 Uhr 30 gab es Mittagessen, danach wurde wieder Fußball gespielt. Von 13 Uhr 45 bis 18 Uhr wurde gearbeitet. Ausgang hatten die Internatsschüler nur  jeden Mittwoch abends von 18 oder 19 Uhr bis 21 Uhr und am Wochenende. Die Jungen liefen eine Runde durch die Innenstadt oder hörten einem Konzert des Blasorchesters von Franz Ippisch zu[18]. Jorge Sarmientos bekam oftmals die Sondererlaubnis, auch am Wochenende im Konservatorium bleiben zu dürfen und Klavier zu üben, da während der Woche  zu wenige Übinstrumente zur Verfügung standen.
Im Jahre 2000 konnte sich Jorge Sarmientos noch an folgende Studieninhalte erinnern: das Solfège-Gehörbildungsprogramm nach der Methode des französischen Pädagogen Albert Lavignac[19] hatte er bereits nach zwei Monaten erfolgreich durchgearbeitet. Am Klavier studierte er Hanon-Fingerübungen, Etüden von Carl Czerny, die „Kleinen Präludien und Fugen“ und die zweistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach, Sonatinen von Muzio Clementi und Ludwig van Beethoven. Mit der Hilfe seines von ihm sehr verehrten, fast gleichaltrigen Klavierlehrers José Arévalo Guerra erreichte Sarmientos im Laufe der Zeit das pianistische Niveau der „Symphonischen Variationen“ von Cesar Franck und der 2. Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven. Zu seinem Pianisten-Abschlussexamen[20] am 24. Oktober 1954 spielte Sarmientos das zweite Klavierkonzert von Edward MacDowell[21]. In den Fächern Klarinette und Saxofon wurde nach der französischen Methode von Kloset[22] vorgegangen. Sarmientos studierte das „Militärkonzert“ für Klarinette von Heinrich Joseph Bärmann[23], das Konzert in a-moll von Wolfgang Amadeus Mozart, ein Klarinettenkonzert[24] von Carl Maria von Weber, eine der beiden Sonaten für Klarinette und Klavier von Johannes Brahms[25] und Ludwig van Beethovens Quintett[26] op. 16. Auf dem Saxofon erarbeitete er sich u. a. das Konzert für Altsaxofon und Streichorchester in Es-Dur op. 109 von Alexander Glasunow[27]. Das tägliche Übpensum während seiner Studentenjahre am Konservatorium belief sich auf 2 Stunden Klavier, 2 Stunden Klarinette und eine Stunde Saxofon. Letzteres Instrument wählte er bewusst aus, um in Bigbands und Jazzorchestern spielen zu können. In Musiktheorie wurden Schriften über Harmonielehre von Rimskij-Korsakow[28] durchgenommen. Seit 1949 studierte Sarmientos Harmonielehre bei  Franz Ippisch[29] nach einem von dem Professor für Musiktheorie eigens entwickelten Programm und nach der Methode Hugo Riemanns. Franz Ippisch, ein Violoncellist und Komponist war aus dem von den Nazis besetzten Wien nach Guatemala geflohen und erhielt dort eine Professur am Nationalkonservatorium[30]. Sarmientos beschrieb den  zum Katholizismus konvertierten Juden Franz Ippisch als einen „großen Musiker“, intelligent und talentiert, als sehr guten Lehrer, der in Guatemala als Leiter des Militärblasorchesters viele Transkriptionen klassischer Werke, darunter  Werke Richard Wagners und Richard Strauss´ anfertigte und zur Aufführung brachte[31].
 Neben dem praktischen Musikstudium wurden am Konservatorium auch die allgemeinbildenden Fächer Mathematik, Biologie, Spanisch, Psychologie, Pädagogik, Philosophie, Sozialkunde, Geschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte und Schauspiel unterrichtet[32]. Die Ausbildung schien eine Art weiterführende Schule beinhaltet zu haben.
Schon im zweiten Studienjahr erfüllte sich Sarmientos einen langgehegten Wunsch und gründete 1947/48 anlässlich einer Feierlichkeit zum Jahrestag der Gründung des Konservatoriums eine Bigband im Stil der großen amerikanischen Swing-Orchester von Glenn Miller, Benny Goodman und Stan Kenton. Bereits 1948 hatte er die volle Besetzung von 5 Saxofonen, 4 Trompeten, 3 Posaunen, Klavier, Bass, Schlagzeug und einen Streichersatz um sich versammelt. Ohne dafür Geld zu verlangen, spielten bekannte guatemaltekische Lokalgrößen des Jazz wie die Trompeter Alfonso Colindres und Guillermo Rojas, der Posaunist Ruperto Turcios, der Pianist Marco Antonio Hernández und der Geiger „Pepe“ Paniagua in dieser Bigband mit. Bis 1952 kam das Jazzorchester unter der Leitung von Jorge Sarmientos, der selbst am Saxofon mitwirkte, regelmäßig zu Proben zusammen[33]. Man realisierte Arrangements unter anderem von Lionel Hampton und eigene Bearbeitungen. Viel Material konnte sich der Bigbandgründer von dem Pianisten und Salonorchesterchef  Augusto Cuellar ausleihen, der ein eigenes Archiv mit Orchesterarrangements besaß und häufig Aufführungen im Nationalpalast leitete.
Auch später schien Jorge Sarmientos diese Leidenschaft für den Jazz nie ganz verlassen zu haben, denn  im Jahre 1971 stellte er für einige Sendungen unter dem Titel  Cicloramas des guatemaltekischen Fernsehsenders TGW nochmals eine ähnliche Bigband vorübergehend zusammen, für die er eigene Stücke schrieb  wie z.B. den Bossanova Nostalgia.[34]
Während seiner Studienjahre am Konservatorium entwickelte sich ein starkes Interesse an Literatur. Im Heimatdorf San Antonio Suchitepéquez wurde nicht viel gelesen und die vorhandene Gemeindebibliothek war wohl immer sehr schlecht bestückt gewesen. Literarische Anregungen und Unterstützung erhielt Jorge Sarmientos von zwei seiner Komilitonen, den Brüdern José Santos und Juan Carlos Paniagua.[35] Mit Hilfe eines spanischen Larousse-Wörterbuchs arbeitete sich Sarmientos durch die ihm von ihnen überlassenen Tragödien Romeo und Julia, Der Sturm, Macbeth und Hamlet von William Shakespeare. Einem weiteren Förderer seiner Literatur- und Theaterbegeisterung begegnete Jorge Sarmientos anlässlich zahlreicher Besuche in der Nationalbibliothek in der Person des Historikers und Universitätslehrers an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität San Carlos, Joaquín Pardo. Pardo arbeitete im Archiv der Bibliothek und Sarmientos konnte ihm Fragen zu Lektüreproblemen stellen, durfte sich gelegentlich auch Bücher ins Konservatorium mitnehmen.
Die Freundschaft mit Joaquín Pardo mündete Jahre später, einmal von 1950 bis 1953 und ein zweites Mal von 1971 bis 1976  in quasi berufsbegleitende Zusatzstudien an der oben erwähnten Fakultät[36]. Seine genauen Kenntnisse literaturwissenschaftlicher Grundlagen und vor allem der literarischen Werke von Simon Bolívar, Miguel Angel Asturias und Pablo Neruda schlugen sich in einigen Kompositionen nieder.[37] Damit hatte sich auch ein geschärftes Bewusstsein für die unterschiedlichen musikalischen Umsetzungsmöglichkeiten verschiedener Textformen und Literaturgattungen herausgebildet.
Nach 1949 notierte Sarmientos erstmals eigene Musikstücke. Zunächst einen Blues, dann einen Tango und den Bolero Alma mía.[38]
Im zweiten Jahr seines Harmonielehrestudiums bei Franz Ippisch komponierte er einige Preludios, noch ohne genaue Kenntnisse über formale Hintergründe und Bedeutungen dieser Gattung zu besitzen. 1950 kam in einer Schießerei bei politischen Unruhen der Freund einer Komilitonin um, in die sich Sarmientos verliebt hatte. Für dieses Mädchen mit dem Namen María Antonieta schrieb Sarmientos das Stück Funeral y Romance[39], das er später für den Bratscher Milton Cabnal transkribierte.
Im Jahr des Studienbeginns von Jorge Sarmientos am Nationalkonservatorium schrieb die demokratische Revolutionsregierung unter dem Präsidenten Dr. Juan José Arévalo erstmals einen großen Staatskunstpreis aus, der das künstlerische Potential des Landes wieder aktivieren sollte. Der Wettbewerb unter dem Titel Certamen permanente 15 de Septiembre sollte jährlich zum Unabhängigkeitstag (15. September 1821) stattfinden und beinhaltete ein abschließendes Festkonzert, in dem die besten Arbeiten aus Malerei, Literatur und Musik mit Ehrentiteln, Goldmedaillen, Diplomen und Geldpreisen prämiert wurden[40].
Erstmals hörte Sarmientos im Jahr 1948 von diesem Wettbewerb, als der Komponist (und Ehemann der Klavierpädagogin Georgette Contoux de Castillo) Jesús Castillo mehrere Preise mit seinen Werken Sinfonieta und El Trópico gewann. Der Studienkollege Joaquín Marroquín konnte im Jahr 1950 mit einer Violinsonate den 2. Platz erreichen[41], was Sarmientos auf die Idee gebracht haben könnte, selbst an dem Wettbewerb teilzunehmen. 1951 komponierte Sarmientos dann selbst ein viersätziges[42] Stück mit dem Titel Suite para violín  y piano und reichte es für den Wettbewerb ein. Sehr zu seiner Überraschung wurde dem damals 22-jährigen Kompositionsanfänger Anfang September 1952 schriftlich mitgeteilt, dass er neben dem Maler Roberto Osaye und der Kunsthistorikerin und Literatin Alaide Foppa einen Kompositionspreis erhalten hatte. Die feierliche Überreichung der Prämien fand am 14. September 1952 im Teatro Cápitol statt. Die Suite para violín y piano wurde von Andrés Archila, dem Konzertmeister des Orquesta Sinfónica Nacional uraufgeführt, begleitet am Klavier von dem Pianisten und Direktor des Konservatoriums Salvador Ley. Rückblickend räumte Sarmientos ein, daß er damals mit der nur mit den spietechnischen Möglichkeiten des Klaviers vertraut war, jedoch noch nicht mit denen der Violine. Aus diesem Grunde autorisierte der Komponist alle zukünftigen Interpreten diese Stückes, die festgestellten spieltechnischen Probleme oder  tatsächlich unspielbare Stellen selbständig verbessern und verändern zu dürfen.
Seine 1953 komponierten 6 Preludios para piano[43] wurden von seinem Klavierlehrer José Arrevalo Guerra 1954 im Konzertsaal des Instituto Guatemalteco Americano uraufgeführt. Der amerikanische Direktor Meyer dieser von den USA in Guatemala betriebenen Kultureinrichtung stellte Sarmientos 1954 den neuen Steinway-Flügel seines Instituts zur Examensvorbereitung zur Verfügung, da dieser sich aus Angst vor politischer Verfolgung im Konservatorium nicht mehr sehen lassen konnte. Sarmientos hatte sich in dieser Zeit sehr für die Vergangenheit der Mayas in Guatemala und die Eroberung durch die Spanier interessiert, zu der berühmte Namen wie Tecún Umán, Tohil und der Zauberer Ajiz gehörten[44], aber auch der spanische Eroberer Pedro de Alvarado. Stilistisch lehnt sich die Suite an solche berühmten guatemaltekischen Brauchtumstänze an wie De la conquista, El baile del torito und Moros y Cristianos.
Entsprechend trägt der erste Satz den Titel El canto Tohil, der zweite wurde mit El baile del campo überschrieben und der dritte erinnert mit dem Titel El canto de las tumbas an indianische Beerdigungszeremonien im Heimatdorf San Antonio Suchitepequez. Das sechsjährige Kind wurde damals vom dem Trauergesang einer indianischen Beerdigung sehr ergriffen. Der traurige und schmerzliche Gesang bestand aus einer Mischung zwischen Weinen und Singen, ein „weinendes Singen“ oder „singendes Weinen“ („llorando cantando o cantando llorando“).
 
Noch im Jahr 1953 begann Sarmientos mit der Komposition eines Orchesterwerkes mit dem Titel Cinco Estampas Cakchikeles Descriptivas para orquesta, die er für den nächsten Kompositionswettbewerb einreichte und damit auch einen 1. Preis erringen konnte. Der Kopist des Konservatoriums, Polo de la Torre fertigte dafür extra eine kalligraphisch säuberlich ausgearbeitete Partitur an, die aber später auf dem Weg vom Außenministerium zur guatemaltekischen Botschaft in Israel verloren gegangen sein muss[45].
Das Orchesterwerk besteht aus fünf „Tongemälden“ (estampas): Por los caminos velicistas bezieht sich auf das Territorium Belize im Nordosten des Landes Guatemala, das lange Zeit englisches Kolonialgebiet war und es ständig aus politischen Gründen Anlaß zu kriegerischen Auseinandersetzung gab, obwohl nie ethnische Unterschiede zu Guatemala bestanden hatten[46].
Das zweite Charakterstück lässt sich von Debussy inspirieren und trägt den Titel Ceremonia en un templo cakchiquel. Sarmientos verwendet hier erstmals sein Lieblingsinstrument Saxophon und schildert darin die zeremoniellen Klänge in einem fiktiven Mayatempel des Stammes der Kak´chikel, wie man sie heute noch in einer im Osten von Guatemala gelegenen Gemeinde namens Zunil hören und erleben kann.
Der dritte Satz der Estampas ist mit Alborada sobre Xequijel überschrieben und schildert ein Massaker der spanischen Kolonisatoren an den Mayas und ihren Führer Tecún Umán im Jahr 1524 im Urbina-Tal. Das Wasser des Flusses Xequijel färbte sich rot vom Blut der Erschlagenen.
Im vierten Satz Procesión de un Viernes Santo según los indigenas da San Antonio Suchitepéquez verwendet Sarmientos die Rhythmen und Klänge, welche bei den im ganzen Land stattfindenden großen Karfreitagsprozessionen in Guatemala verwendet wurden. Das typische Geräuschinstrument Matraca ersetzte er im Orchester  durch ein Glocke.
Der letzte Satz schließlich, Fiesta de cofrades, bezieht sich auf die von den Spaniern eingeführten religiösen Bruderschaften und deren Feste, von denen es auch im Heimatdorf San Antonio Suchitepéquez  zahlreiche gegeben hatte. Das Marimbaphon übernimmt hier eine originale Mayamelodie.
Das 59 Minuten dauernde Werk wurde am 03. November 1953 Mit dem Nationalorchester unter der Leitung von Abel Eisenberg[47] im Teatro Cápitol der Haupstadt uraufgeführt und gewann den Preis des jährlich ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbs. Eine im März oder April 1954 von Roberto Mendizabal im Radio Nacional TGW[48] aufgenommene Schallplatte wurde in den antikommunistischen und zerstörerischen Umtrieben des Colonel Carlos Castillo Armas leider zerstört.
Seit 15. März 1951 war Jacobo Arbenz Guzmán der demokratisch gewählte Präsident Guatemalas und Nachfolger des Militärdiktators General Francisco Poncez. Gleich nach seiner Wahl versuchte Arbenz unter großem Beifall der guatemaltekischen Landbevölkerung, die amerikanische United Fruit Company zu verstaatlichen. Die US-Regierung unter Eisenhower befahl der CIA, einen Putsch in Guatemala zu planen, zu finanzieren und auszuführen. Jorge Sarmientos sympathisierte, wie viele der Jugendlichen damals, mit der Ideenwelt der demokratischen Bewegung Alianza de la Juventud Democrática, die ihren Sitz in der Haupstadt in einem Haus der Avenida Simeòn Can(i)as hatte. Dort traf er häufig den wesentlich älteren und später berühmten argentinischen Revolutionär Ernesto (Ché) Guevara[49]. Als am 15. Juni 1954 vom amerikanischen Geheimdienst CIA ausgebildete Söldnertruppen und Militärmaschinen von Honduras aus in Guatemala eindrangen, war Sarmientos wie viele andere Jugendliche auch bereit, sein Land mit der Waffe zu verteidigen. Doch vergeblich. Nach dem erfolgreichen Einmarsch der Amerikaner in die Hauptstadt machte sich eine Angst vor den antikommunistischen Umtrieben des USA-freundlichen Generals Carlos Castillo Armas breit und Sarmientos zog es vor, sich für drei Monate im Hause der Familie Sardá  in der 12. Avenida der Zona 1 zu verstecken[50].
Diese tragischen politischen Ereignisse inspirierten Jorge Sarmientos drei Jahre später zur Komposition seiner 6 cantos campesinos de esperanza, die erst  1995 in Takayama in Japan uraufgeführt wurden.
Von seiner ersten Ehe, die am 12. 10. 1954 mit einer Bekannten aus dem Konservatorium geschlossen wurde und aus der ein Sohn namens Jorge (geboren am 12.05. 1955) hervorging, spricht Sarmientos heute nur ungern. Zu überstürzt und ohne reifliche Überlegung habe er diesen Schritt getan. Die Ehe wurde nach seiner Rückkehr aus Paris geschieden.
 Nach seinen Abschlussprüfungen am Konservatorium musste Sarmientos dringend Geld verdienen, konnte aber weder im Rundfunk noch anderswo eine Arbeit finden. Bis 1955 hielt er sich als Nachtclub-Pianist und als Klavierlehrer mit Privatstunden über Wasser. Dann bot sich ihm anlässlich einer Probe seiner Estampas Caquchiqueles mit dem Orquesta Sinfónica Nacional überraschend eine einmalige Gelegenheit. Das Orchester unter seinem Dirigenten Andrés Archila benötigte einen neuen Solopauker.
Im April 1955 kam der Solopauker des Orchesters aus irgendeinem Grund ins Gefängnis und Sarmientos bat Andrés Archila um ein Probesspiel als Pauker. Da das Orchester ihn schon als begabten Komponisten und  Saxophonisten kennengelernt hatte, erhielt er Möglichkeit des Probespiels.
 Etwa zwanzig  Mitbewerber konnten wegen mangelnder Eignung nicht akzeptiert werden. Sarmientos fühlte sich als langjähriger Marimba-Spieler mit einem absolutem Gehör auch ohne Schlagzeugstudium[51] dieser Arbeit gewachsen, bewarb sich und musste vor dem Orchester ein Probespiel mit dem ersten Satz der 2. Symphonie Ludwig van Beethovens und mit dem „Don Juan“ von Richard Strauß ableisten. Das Orchester applaudierte.
Am 30. April 1955 wurde er vom Verwaltungsdirektor des Nationalorchesters, Dr. Carlos Rendón Barnoya zum Solopauker mit festem Gehalt ernannt. Bis 1971 arbeitete Jorge Sarmientos hauptberuflich als Solopauker und 1. Schlagzeuger im Nationalorchester Guatemalas.
 
 
1.3.  Stipendium für einen Studienaufenthalt in Europa
Noch im gleichen Jahr 1955 erhielt Jorge Sarmientos, zusammen mit seinem ehemaligen Klavierlehrer, dem Pianisten José Arévalo Guerra vom Director der Bellas Artes ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Europa. Sarmientos´ damalige Ehefrau weigerte sich standhaft, Guatemala zu verlassen und mit nach Europa zu reisen. So wurden das Restgehalt des Orchesters und die Zuwendungen des Stipendiums geteilt und die Abreise erfolgte am 18. September 1955.
Ursprünglich sollten beide in Madrid studieren, fanden dort in den politisch schwierigen Zeiten der Franco-Ära aber keine geeigneten Studien- und Lebensbedingungen vor.  Guerra kam dann auf die Idee, sich in Paris weiterzubilden, weil er von seiner eigenen Klavierlehrerin Georgette Contoux-Cantet (einer Schülerin Alfred Cortots) den Unterrichtsstil in Frankreich schon kannte und Sarmientos folgte ihm dorthin. Zunächst besuchten sie die Ècole normale de musique[52] in Paris, stellten sich aber auch der damaligen Leiterin der Klavierabteilung am Pariser Konservatorium, Blanche Bascouret vor. Sarmientos knüpfte zudem Kontakt zu einem Kompositionslehrer namens Tony Aubin, der sich seine Preludios para piano anhörte und ihn als Schüler akzeptierte.
Mit Hilfe dieser Dozenten wollte Sarmientos die Aufnahmeprüfung am renommierten Conservatoire de Musique de Paris für ein Kompositionsstipendium bestehen. Es gab ca. 25 Bewerber für 3 Studienplätze. Neben anderen Aufgaben musste er ohne Zuhilfenahme eines Klaviers eine Sonatenhaupsatzform und eine Toccata entwerfen. Dazu legte er der Jury seine schon 1953 und 1954 komponierten  6 Preludios para piano[53] und sein Concierto para viola[54] als Prüfungsstücke vor. Groß war die Enttäuschung als Sarmientos mitgeteilt wurde, dass er die Aufnahmeprüfung für die Kompositionsklasse am Pariser Konservatorium nicht bestanden hatte.
 Rückblickend beurteilte Jorge Sarnmientos im Jahr 2000 diese enttäuschende Entscheidung eher nüchtern und realistisch. Er war damals einfach nicht gut genug vorbereitet gewesen, wußte damals nichts von Kontrapunkt  und arbeitete ohne solide Vorbildung nur mit Intuition.
Nach diesem Rückschlag kehrte Sarmientos an die École normal de Musique zurück, bestand dort problemlos eine interne Aufnahmeprüfung und beabsichtigte, seine musikalisch-professionelle Ausbildung auf diesem Wege  ergänzen und verfeinern zu können.
Sein pianistisches Repertoire erweiterte er mit den Pianistinnen Lucile Bascouret und ihrer Mutter Blanche Bascouret de Geraldi, die eine Studienkollegin der in Guatemala unterrichtenden Sarmientos-Förderin Georgette Conteaux de Castillo war. Beide waren Schülerinnen von Alfred Cortot gewesen. Im Klavierunterricht studierte er neben anderen Werken gründlich das Nocturne von Gabriel Fauré und das Italienische Konzert von Johann Sebastian Bach ein.
Blanche Bascouret überprüfte monatlich seine Fortschritte, die Unterrichtserfolge ihrer Tochter. Bei Tony Aubin besuchte Sarmientos die Kompositionsklasse und Dirigierunterricht erhielt er von Jean Fournet, der die Orchesterkompositionen von Sarmientos als „solide orchestriert“ bezeichnet hatte. Im Dirigierunterricht musste auswendig vor einem imaginären Orchester mit Klavierbegleitung dirigiert werden. Dabei wurde genau die räumliche Position jeder Instrumentengruppe und jedes Instruments beachtet. Die geistige Vorstellung des Orchesters wurde als sehr wichtig befunden. Der das Orchester ersetzende Klavierspieler spielte immer wieder absichtlich falsche Töne, welche die Studenten dann bemerken und korrigieren sollten. Sarmientos lernte von Jean Fournet viele Haltungsdetails durch genaues Beobachten und Imitieren, z. B. eine Leichtigkeit der Handgelenksführung bei Streicherstellen der Rhapsodia espanola von Ravel. Schwere Handgelenksführung betrachtete Fournet  an diesen Stellen als unpassend und ungeeignet. Er verlangte ausschweifende Armbewegungen bei „großen musikalischen Bögen“, bei kleinen, feinen Details wollte er kleine Bewegungen sehen[55]. Das erste Werk, das Sarmientos auswendig lernte, war der 3. Satz der 1. Symphonie von Johannes Brahms. Armführung und Handhaltung wurden akribisch kontrolliert und verbessert. Erst viel später durften die Dirigierstudenten im Pariser Konservatorium als Gäste ein  Studentenorchester dirigieren.
Für Sarmientos blieb von Jean Fournet´s Unterricht ein Merksatz zeitlebens wichtig: „ Man muss die Partitur im Kopf haben und nicht den Kopf in der Partitur“. Für ihn bestand seine Ausbildung zum Komponisten zu 80% aus Autodidaktik, Intuition und Inspiration und nur zu 20% aus soliden Studien mit Lehrern. Er hätte dabei Orchestrieren sehr intensiv betrieben, Kontrapunkt hingegen sei während seiner gesamten Ausbildung immer unterrepräsentiert geblieben.
In Paris komponierte Jorge Sarmientos 1955 die Seis cantos campesinos de esperanza für Stimme und Klavier, die Musik zu einem Theaterstück von Carlos Girón Serna „El vendedor de Máscaras“  und sein erstes Sextett für Klavier und Bläserquintett. Der Kompositionslehrer Tony Aubin wollte ein Stück mit guatemaltekischen Melodien haben und Sarmientos verwendete bewusst aus diesem Wunsch seines Kompositionslehrers heraus, neben seinen eigenen folkloristisch nachempfundenen Melodien, als drittes Thema des Werkes ein in Guatemala allgemein bekanntes Wiegenlied, El Mishito.
Eine kleine Romanze verband Jorge Alvaro mit der Tochter des guatemaltekischen Botschafters in Paris Ismael Méndez Zevadúa, Liuva Méndez. Speziell für sie komponierte er ein dreiteiliges programmatisches Klavierstück mit dem Titel Tres melodías en un recuerdo[56]: die einzelnen Teile sind betitelt la estadía (der Aufenthalt), la ausencia (die Abwesenheit) und el reecuentro (das Wiedersehen).
1956 entstand eine kleine Sonatina für Klavier, ebenfalls für Klavier solo die Cinco expresiones para piano[57] und der Beginn des ersten Klavierkonzerts. Die letzten beiden Werke gewannen 1956 und 1957 wieder 1. Preise in den jährlich in Guatemala stattfindenden Kunst- und Kompositionswettbewerben. Das Preisgeld von 1500 US-Dollar wurde geteilt, 300 $ schickte man Sarmientos nach Paris, den Rest behielt seine Familie in Guatemala.
Zunächst wohnte Sarmientos mit José Arevalo Guerra zusammen in einem Zweibettzimmer in der rue Couchart im sechsten Stock des Hotel Saint Michel im Quartier Latin in einer Straße, die von der Universität kommend in den Boulevard Saint Michel mündete. Im Mai 1956 ging der Pianist Guerra dann nach Madrid, um im Instituto de Cultura Hispanica zu konzertieren. Unter anderem wurden dort auch die Sonatina und die 6 Preludios von Jorge Sarmientos gespielt. Die Freunde wollte sich später auf der Isla Judeca in Venedig treffen. So reiste Sarmientos vom Pariser Gare de L´Est aus über Frankfurt (hier berichtete er von einer sehr netten weiblichen Bekanntschaft, bei der er einen Tag blieb), Zürich (hier lernte er einen späteren Freund, den Schweizer Rechtsanwalt Peter Halfter kennen), Mailand, Venedig, Florenz bis nach Rom[58].
Im Anschluß an die Reise durch den europäischen Kontinent wechselte Jorge Ende 1956 seinen Wohnsitz innerhalb Paris und zog zu der ihm bekannten Familie Vitalie in den dritten Stock der rue Ramain 47 in der Nähe des Montmartre. Die damals schon sechzigjährige Madame Vitalie war ehemals Sängerin an der Opéra Comique gewesen und Sarmientos musizierte mit ihr des öfteren Teile aus der Oper Madame Butterfly[59]. Der Kontakt zu dieser Familie hielt bis ins Jahr 1979. Neben seiner musikalischen Arbeit waren vor allem weitere Kontakte zu anderen in Paris lebenden und studierenden Künstlern aus den verschiedensten Sparten bedeutsam und anregend. Zu diesen Bekanntschaften zählten der Schriftsteller Nicolás Guillén, der guatemaltekische Cellist Juan Carlos Paniagua, der Maler Jacobo Rodríguez Padilla und die Bildhauer León Soto und Guayo de León[60].
Unvergesslich für Jorge Sarmientos blieben auch einige Pariser Konzertbesuche. Er erlebte den russischen Geiger David Oistrach mit dem Pianisten Emil Gilels und „berauschte“ sich regelrecht an den Gastspielen  von bekannten Jazzmusikern wie Stan Kenton, Oscar Peterson, Gene Krupa, Dizzy Gillespie und Ella Fitzgerald.
 
 
1.4. Die Rückkehr nach Guatemala und die Zeit danach
Sarmientos´ mehrfache Versuche, seine Familie nach Paris zu holen, scheiterten immer wieder am Unwillen seiner Frau, Guatemala zu verlassen. Die ausschlaggebenden Beweggründe, warum er schon nach eineinhalb Jahren diese vielversprechenden und hochwertigen Weiterbildungsmöglichkeiten in Paris aufgab, nach Guatemala zurückging und sich im gleiche Jahr von seiner ersten Frau scheiden ließ, wollte Sarmientos im Gespräch nicht vollständig preisgeben. Nur soviel: seine Frau veranlasste ihn unter dem Vorwand, ihr Vater wäre todkrank, dringend von Paris nach Guatemala zurückzukehren. Nach der Ankunft stellte Sarmientos fest, dass nichts den Tatsachen entsprach, er belogen worden war und dass die Ehe keine Basis mehr hatte[61]. Seine Frau hatte ihn während seiner Abwesenheit mit einem anderen Mann betrogen. Er ließ sich scheiden, behielt aber weiterhin engen Kontakt zu seinem Sohn Jorge. Seine erste Frau starb im Jahr 1985 an Krebs.
 Eine erneute Anfrage bei Dr. Carlos Rendón Barnoya, ob Sarmientos das unterbrochene Stipendium in Paris nach erfolgter Scheidung wieder aufnehmen und fortsetzen könnte, wurde abschlägig beantwortet. Es war bereits an zwei andere Kanditaten übergeben worden[62].
Die große Enttäuschung über diese verlorene Chance wurde erst durch den 1. Preis im Certamen Permanente de Bellas Artes 1957 mit dem ersten Klavierkonzert wieder relativiert. Vom Preisgeld konnte sich Sarmientos ein Auto, einen Chevrolet Powerlight Model 52 leisten.
Abgesehen davon war es für einen jungen Musiker in Guatemala durch die ungünstigen wirtschaftlich-politischen Verhältnisse, verursacht durch mehrere Miltärregierungen, sehr schwierig, eine anspruchsvolle Arbeit und finanzielles Auskommen zu finden[63]. Klassisch ausgebildete Musiker [64] konnten nur in der Kirche spielen, Privatstunden geben oder eine Stelle im Nationalorchester erhalten. Nach einer kurzen Tätigkeit als Pianist nahm Sarmientos mit einer Aufführung der fünften Symphonie von Sergej Prokoffiev seine frühere Arbeit als Solopauker des Nationalorchesters wieder auf.
Anfang Februar oder März 1957 suchte die Pianistin und Ballettkorrepetitorin Dora Ruth Estrada einen Nachfolger für ihre Arbeit mit dem Balet Guatemala unter der Leitung des irischen Choreographen Denis Carey. Es gab eine Anfrage bei Jorge Sarmientos und er sagte zu. Meistens improvisierte er am Klavier die Musik zum Balletttraining, musste aber auch  komplexere Werke wie Maurice Ravels Alborada del Gracioso oder den Danse sacral von Igor Strawinsky pianistisch einstudieren[65]. Bei dieser Arbeit kam ihm die Idee einer Ballettkomposition, die in Anlehnung an Strawinskys Ballette[66] Petruschka und vor allem dem Feuervogel, „Pajaro blanco“ [weißer Vogel] heißen sollte[67].
Nach nur 28 Tagen konstanter Kompositionsarbeit wurde das Ballett am 29. April 1957 in den Ruinen der Kirche Santa Cruz in der historischen Kolonialstadt Antigua Guatemala mit dem Nationalorchester unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt. Chefdirigent Archila meinte, dass Sarmientos sein Werk in der Aufführung nicht dirigieren dürfte, weil dies das Orchester nicht wünschte. Sarmientos bat dann eines Tages kurz vor einer Probe alle Musiker des Nationalorchesters um eine Abstimmung. Alle diejenigen sollten aufstehen, die keine Einwände gegen ein Dirigat Sarmientos´  hätten. Bis auf zwei Freunde das Chefdirigenten standen alle Orchestermitglieder auf und bekundeten damit ihr Einverständnis. Archila schien eifersüchtig gewesen zu sein, akzeptierte aber schließlich das Abstimmungsergebnis des Orchesters.
 Die Handlung wurde von Sarmientos und dem Choreographen Carey gemeinsam entwickelt, einige musikalische Teile lagen in Form der Preludios schon vor, neue Stücke wurden zu Probenzwecken zuerst für Klavier gesetzt, Introduktion und Finale dauerten zusammen 25 Minuten[68]. Der Oboist Manuel Echeverría half bei den Kopistenarbeiten. Zunächst entstand eine vierhändige Fassung für Klavier, von der zu Probenzwecken für die Choreographie eine Aufnahme mit Jorge Sarmientos und dem Pianisten Dávila  gemacht wurde. Danach erfolgte erst die Orchestrierung und Instrumentierung der Partitur.
Die Handlung trägt sozialkritische Züge und erzählt von einem an Unterernährung verstorbenen Jungen einer armen Landarbeiterfamilie. Sie basiert auf Sarmientos´ zahlreichen eigenen Kindheitserinnerungen und –erfahrungen auf den Bananenplantagen in und um San Antonio Suchitepéquez.  Das Kind wird in der Handlung unter den elendsten Bedingungen bestattet. Die vor Gram halb wahnsinnige Mutter kann diesen Tod nicht zulassen und beginnt, kultisch symbolträchtige Geister zu fantasieren, welche zu ihr sprechen: die Fledermaus, die Eule und Unheil verkündende Vögel, der Todesgott der Mayas, Ajpux. Der Weiße Vogel dagegen symbolisiert hier die Hoffnung, die am Schluss die Oberhand behält.
Mit der Uraufführung seines Pajaro blanco 1957 dirigierte Jorge Sarmientos erstmals das Orquesta Sinfónica Nacional de Guatemala. Neben seinem eigenen Werk führte er die Variaciones de Reale eines unbekannten Komponisten auf, die nur auf Schallplatte existierten. Sarmientos hörte die Partitur von dem Tonträger ab und rekonstruierte daraus das gesamte Notenmaterial.
Am 14. September 1958 wurde Sarmientos dann nach einem Wettbewerb zwischen sieben jungen Dirigenten vom Nationalorchester[69] das zweite Dirigat  ermöglicht. Zur Aufführung kam sein eigenes erstes Klavierkonzert, Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 und das Violinkonzert, Jardin encantado von Joaquín Orellana und Igor Strawinskys Feuervogel. Das ausverkaufte Konzert wurde im alten Teatro Capitol mit seinen 2800 Sitzplätzen ein großer Erfolg.
Noch im Jahr 1957 besuchte eine junge Marimbaphonistin aus Tulsa/Oklahoma, Vida Chenoweth[70] für einige Konzerte im Instituto guatemalteco americano   Guatemala. Sarmientos lernte sie durch den Arzt Bernardo del Valle kennen, war von ihrer grandiosen Spieltechnik mit 4 Schlägeln sehr beeindruckt und es entwickelte sich eine Freundschaft. Nach einigen gemeinsamen Marimba-Studienreisen durch das Land gab Vida Chenoweth kurz vor ihrer Rückkehr in die USA bei dem damals 26-jährigen Jorge Sarmientos ein Konzert für Marimbaphon und Orchester in Auftrag. Im Februar  1958 gewann dieses Konzert den 1. Preis im Certamen permanente de Bellas Artes. Bis heute ist es weltweit das meistgespielte Werk des Komponisten. Sarmientos widmete es seinem Vater Vicente,  der ihm das Marimbaspiel beigebracht hatte und Schulden aufnehmen musste, um seinem Jungen eine musikalische Ausbildung in der Hauptstadt ermöglichen zu können.
Auch als Jazzmusiker hatte Jorge Sarmientos im Jahre 1958 Erfolge. Mit einem Trio, Sarmientos am Klavier, Neco Forno an der elektrischen Gitarre und am Bass Eduardo Arrué trat er regelmäßig in Clubs und Bars im Stadtzentrum auf.
Ebenfalls 1958 entstanden für das Teatro de Arte universitario die Estampas del Popl Vuh para orquesta, danza y teatro. Das Libretto stammte vom Direktor des Teatro de Arte universitario, Carlos Mencos[71]. Auszüge aus diesem Werk, das mit Texten aus der berühmtesten schriftlichen Überlieferung der Mayas arbeitet, gewannen 1960 wieder einen 1. Preis im schon des öfteren erwähnten Certamen permanente.
 1972 erweiterte Jorge Sarmientos seine 1958 entstandene Komposition zu einer 2. Fassung. Mit dieser Theaterproduktion ging Sarmientos 1959 auf eine Tournee durch Europa und den Vorderen Orient. Auf Betreiben der guatemaltekischen Botschafterin in Israel, Francisca Fernández Hall bekam er am 31. Dezember 1959 in Israel zum ersten Mal die Gelegenheit, ein ausländisches Orchester zu dirigieren.
Im Januar 1959 traf Sarmientos den Oboisten Manuel Gómez wieder, der ihm 12 Jahre zuvor den Eintritt in das Konservatorium geebnet hatte. Gómez war nach Ecuador emigriert, kehrte nur noch sporadisch nach Guatemala zurück. Beide erinnerten sich an den mittlerweile schon verstorbenen Klaviervirtuosen José Arrévalo Guerra. Das Gespräch mündete in einen groben Plan für ein Oboenkonzert mit großem Orchester. Noch vor Beginn dieses neuen Projektes wurde Sarmientos wegen des Erfolges seines Popol Vuh zu der oben angesprochenen dreimonatigen Tournee nach Europa und Israel eingeladen. Am 31. Dezember 1959 dirigierte er dort, wie oben schon erwähnt, das Israel Symphony Orchestra KOLL mit Ausschnitten aus den Estampas, dem Ballett Pajaro Blanco und zwei Werken seines Lehrers am Konservatorium, Ricardo de Castillo.
1960 begann dann die Arbeit am Oboenkonzert. Sarmientos entschied sich bewusst gegen ein Kammerorchester und für ein großes Orchester, weil Gómez´ Ton für einen Oboisten außergewöhnlich tragfähig und kräftig-voluminös  war[72] und er sich somit leicht gegen ein großes Symphonieorchester durchsetzen konnte.
Das Konzert wurde am Tag des Einsendeschlusses des Kompositionswettbewerbs der Certamen permenente de Bellas Artes fertiggestellt. Der Ingenieur Marco Tulio Ventura schrieb noch fein säuberlich den Titel auf den Umschlag und das Werk wurde direkt bei der Wettbewerbsleitung eingereicht[73]. Nach Aussagen des Komponisten war der 2. Satz von Sergej Prokoffievs Violinkonzert eine wichtige Inspirationsquelle für den 2. Satz dieses Oboenkonzerts. Am 14. September 1960 erhielt Sarmientos dafür den 1. Preis zugesprochen.
Im selben Jahr heiratete Jorge Sarmientos seine zweite Frau Matilde, die er anlässlich eines Besuches bei einem Bekannten im Krankenhaus kennen- gelernt hatte[74].
In Guatemala regierte seit 1960 General Miguel Ydígoras Fuentes als Präsident das Land Guatemala und ließ zu, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine Gegenrevolution gegen die Revolution in Kuba auf guatemaltekischem Territorium vorbereiteten. Als im Jahr 1961 die Invasion Kubas von Guatemala aus stattfinden sollte, protestierte die Mehrheit der Bevölkerung gegen dieses Vorgehen, darunter auch Jorge Sarmientos.
 Im September 1961 entschloss sich die Regierung, Jorge Sarmientos den höchsten Orden des Staates, den orden del quetzal für seine bisherigen künstlerischen Leistungen zu verleihen. Als aber 1962 einige demonstrierende Studenten vom Militär erschossen wurden, das Nationalorchester direkt vor einem Konzert aus politischen Gründen in Streik trat, entschloss sich Sarmientos, obwohl er den Präsidenten persönlich kannte und bis zu diesem Zeitpunkt immer gut behandelt worden war, in einer öffentlichen Aktion den Orden zurückzugeben. Ein entsprechender Text mit einer detaillierten Begründung wurde in mehreren Radiosendern verlesen[75]. Die unmittelbare Folge war, dass sich Sarmientos für mehrere Monate vor der Geheimpolizei verstecken musste und politisch verfolgt wurde. Im Oktober 1962 wurde sein politisch-hymnisches Orchesterstück Obertura popular para orquesta dedicado a los obreros y campesinos uraufgeführt. Dieses Werk ist allen Opfern dieser politischen Unruhen und vor allem den Arbeitern und Landarbeitern gewidmet. Einige Tage nach der Uraufführung der Obertura wurde ein Freund, Oscar Barrientos von einer Polizeistreife angehalten und genau durchsucht. Man fand einen Brief von Jorges Bruder, der in Kuba studierte. Sofort entschloss sich die Geheimpolizei, auch Sarmientos zu verhaften und fand ihn beim Fussball spielen in El Zapote im Norden der Hauptstadt. Nur mit knapper Not konnte Sarmientos auf einem Motorrad entkommen[76].
Zunächst versteckte er sich für einige Stunden im Haus eines anderen Freundes, Mico Sardá und fuhr schließlich zu seinem eigenen Haus zurück, das sich 18 Kilometer von der Hauptstadt in Richtung des Kolonialstädtchens Antigua Guatemala befand.
In der darauffolgenden Woche hatte die Geheimpolizei seinen Wohnort entdeckt und verhaftete ihn. Erst auf Grund des massiven Einsatzes all seiner persönlichen Beziehungen und der politischen Einflussnahme des Chefdirigenten des Nationalorchesters, Ricardo del Carmen und einer schriftlichen Bestätigung, sich nicht mehr auffällig zu verhalten, wurde Sarmientos entlassen. Nur vier Wochen währte seine Freiheit, als die Geheimpoizei der Militärregierung ihn erneut festnehmen wollte und wieder gelang es ihm, im Hause eines befreundeten Schuhfabrikbesitzers names Romero Unterschlupf zu finden. Der Dirigent Ricardo del Carmen holte Sarmientos dort dann eines Tages unter dem Vorwand ab, dass er in einem Konzert mitspielen müsse, übergab ihn aber stattdessen der Polizei. Sarmientos verbrachte etwa drei Monate in einem Militärgefängnis unter schlechten Bedingungen. Durch gute Beziehung zu zwei Wachsoldaten konnte er Papier erhalten und komponierte in der Haft seine Oda a la libertad. Sie erhielt später  einen ersten Preis.
 Der Grund für die Verhaftung war unter anderem der Besitz von Partituren russischer Musiker (Tschaikowsky, Prokoffiev und Strawinsky) gewesen, die die Polizei für kommunistische Musiker gehalten hatte. Bei diesen häuslichen Durchsuchungen verschwanden viele Partituren und Bücher aus dem Privatbesitz von Jorge Sarmientos.
Schon Anfang 1962 dirigierte der kolumbianische Dirigent Guillermo Espinoza das Nationalorchester und bat als starker Verfechter eines innerkulturellen Austausches innerhalb Lateinamerikas den mächtigen guatemaltekischen Zeitungsverleger und Mitbesitzer der Tageszeitung Prensa libre, Isidoro Zarco, die Schirmherrschaft und womöglich auch die Finanzierung einiger Kompositionen junger guatemaltekischer Komponisten[77] zu  übernehmen. Espinoza hatte bereits einige Partituren von Sarmientos durchgesehen und kannte seine Arbeit als Solopauker im Orchester. Er bat ihn um die Komposition eines Konzerts für Pauken und Orchester. Das Konzert für 5 Pauken und Orchester wurde erst am 5. Mai 1965 in Washington D.C uraufgeführt, Solist war der Pauker Fred Vegan, dirigiert wurde das elfminütige Werk von Howard Mitchell. Das Paukenkonzert wurde später noch in Ontario, Los Angeles, Quebec, Montreal und 1994 in Bogotá gespielt. Erst 1967 dirigierte der Initiator Guillermo Espinoza selbst das Paukenkonzert in Madrid.
 
1.5.   Kompositionsstipendium in Buenos Aires 1965 bis 1966
1964 gewann Jorge Sarmientos mit einem neuen Werk zum wiederholten Mal den 1. Preis des fortlaufenden Kompositionswettbewerbs Certamen permanente de 15 de septiembre de Bellas Artes. Der genaue Titel des Werkes lautet Tres cuadros corales sinfónicos para coro, recitante y orquesta, sobre el texto del poema Tecún Umán de Miguel Angel Asturias.
Guatemalas berühmtester Schriftsteller Miguel Angel Asturias schrieb das zugrundeliegende Gedicht Tecún Umán, das von einem Mayaführer mit diesem Namen handelt, der sich am 24. Juli 1524 in einem Tal in der Nähe der heutigen Stadt Quetzaltenango mit einer Gruppe den vorrückenden Spaniern entgegenstellte und getötet wurde.
Schon zu Beginn des Jahres 1965 ergab sich für Jorge Sarmientos die Gelegenheit, ein Stipendium für ein einjähriges Fortbildungsstudium für Komponisten am Centro Latinoamericano de Altos Estudios Musicales del Instituto Torcuato Di Tella in Buenos Aires zu erhalten. Sarmientos schickte Tonbänder und Partituren zur Begutachtung nach Argentinien. Von 60 Bewerbern aus Lateinamerika erhielten 12 Komponisten ein Stipendium, darunter vier Argentinier, ein Bolivianer, drei Chilenen, zwei Komponisten aus Costa Rica, ein Puertorikaner und eben Jorge Sarmientos aus Guatemala. Unter den Juroren befanden sich unter anderen Alberto Ginastera, Guido Gandini und Orego Salas, letzterer in seiner Funktion als Direktor der Bloomington School of Music in Indiana[78]. Die Finanzierung der Stipendien übernahm die Rockefeller-Stiftung und das Ziel des Aufenthalts in Argentinien sollte der Umgang mit neuer Musik, das Kennenlernen und die Anwendung von zeitgenössischen Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts sein.
Am Centro latinoamericano de altos estudios musicales unterrichteten Sarmientos die Komponisten Alberto Ginastera, Jannis Xenakis, Earl Brown, Robert Session und Maurice Leroux. Obwohl Sarmientos die Lebensverhältnisse und das hohe Niveau des Kulturlebens in Buenos Aires sehr zusagten[79], hatte er doch zunächst Probleme im Umgang mit der komplexen neuen Tonsprache.  Zwölftonmusik war für Sarmientos bis dahin ein unbekanntes Terrain gewesen. Als er erstmals in Argentinien Schönbergs Pierrot lunaire und Marteau sans Maitre von Pierre Boulez hörte, erschien ihm diese Musik (Zitat aus dem Spanischen) „ohne Kopf und ohne Füße zu sein“[80].  Regelrechte Ängste[81] verspürte Sarmientos beim Anhören des Stückes Threnos[82] von Krzysztof Penederecki in einem Konzert im Teatro Colón in Buenos Aires, dirigiert von dem polnischen Dirigenten Rowicki. Man erzählte ihm, dies sei ein „polymorphes“ Stück gewesen, was Sarmientos überhaupt nicht verstand. Er fühlte sich plötzlich in eine völlig andere Musikwelt hineingestoßen, was ihm schmerzhaft seinen Wissensrückstand bewusst machte und die Musikausbildung in Guatemala mangelhaft erscheinen ließ. Als er einmal kurz davor stand, aufzugeben und nach Guatemala zurückzukehren, wurde er von Alberto Ginastera getröstet, ermuntert und motiviert, in Argentinien zu bleiben und weiterzuarbeiten. Ginastera meinte damals, alles hänge nur von einer systematischen Auseinandersetzung mit der neuen Musiksprache ab und Sarmientos arbeitete sich nach und nach in diese Musiksprache ein. 1966 dirigierte er bereits selbst Pendereckis Threnos in Chile. Ginastera interessierte sich für die Arbeiten von Sarmientos, er erkannte dessen Schwächen, aber auch die starke Energie in den Stücken des Guatemalteken.
Aus den Studien heraus entstanden dort die Werke Preludio y Danza Orgíaca für Orchester und das zweite Sextett für Klavier und Bläserquintett, welches in einem freien seriellen Stil komponiert wurde. Zunächst arbeiteten die Stipendiaten mit den einfachsten Grundregeln der Zwölftonmusik Arnold Schönbergs. Nach der Aufführung dieses Sextetts rühmte der argentinische Kritiker Roberto Murillo in der Zeitung La nación das Stück wegen seines „dichten Kontrapunkts“, eine Bemerkung, auf die Sarmientos besonders stolz war. Sein Kontrapunkt war damals, nach seiner eigenen Meinung, eher intuitiv geprägt und er verließ gerne das Korsett strenger Regeln zu Gunsten von natürlichen musikalischen Kriterien[83]. Für einen gleichzeitig in der guatemaltekischen Stadt Quetzaltenango stattfindenden Wettbewerb für iberoamerikanische Komponisten anlässlich der Unabhängigkeitsfeier des Landes schrieb er in Buenos Aires die Sinfonía coreográfica,  sandte die Partitur nach Guatemala und erfuhr, dass sie einen ersten Preis erbracht hatte. An seine Frau wurden in seiner Abwesenheit in einer Feier 1000 US-Dollar überreicht. Mit diesem Preisgeld holte Sarmientos kurz darauf seine Frau Matilde und seine drei- und zehnjährigen Söhne für den Rest des Stipendienaufenthalts nach Argentinien.
Von 16. Mai bis zum 07. Juni 1966 wurde Jorge Sarmientos von Alberto Ginastera als Gastdirigent an das Orchester der Universidad de Chile[84]  nach Santiago vermittelt, bei Weiterzahlung der Stipendiumsgelder an die Familie in Argentinien. Die Arbeit mit dem Orquesta Sinfónica de Cile wurde zusätzlich gut bezahlt und Unterkunft und Verpflegung wurden von der Orchesterdirektion in Chile übernommen. Sarmientos erarbeitete Dimitrij Schostakowitschs fünfte Symphonie, Maurice Ravels Dafnis et Chloe, die fünfte Symphonie von Sergej Prokoffiev, dazu kamen Werke von Luigi Nono, Bruno Maderna und Luigi Nono mit dem Orchester zur Aufführung. Er orchestrierte darüber hinaus den „Pas de deuxLos Aldeanos de Giselle und erweiterte damit seine praktischen Erfahrungen als Komponist und Dirigent.
 Der Zugewinn an Erfahrungen bezog sich nicht allein auf die dirigiertechnische Praxis, sondern vor allem auf den menschlichen Umgang mit Orchestermusikern. Das Orchester stellte Sarmientos immer wieder Fallen, spielte absichtlich falsche Töne, um ihn zu testen, ob er auch kleine Intervallveränderungen bemerken würde. Sarmientos korrigierte solche Fehler stets höflich, interpretierte das Verhalten der Musiker aber als eine bewusst gegen ihn gerichtete Ablehnung. Es folgte die Einladung zu einem Gespräch mit der Orchesterverwaltung und Sarmientos erwartete dort seine Entlassung. Zu seiner Überraschung traf das Gegenteil ein. Eine Orchesterdelegation hatte sich deutlich für eine Vertragsverlängerung und den Verbleib des Guatemalteken ausgesprochen. Dennoch verließ Sarmientos Chile nach einer nur kurzen Vertragsverlängerung und zwei letzten Konzerten, nicht wegen der  menschlichen Situation im Orchester, sondern wegen der ihm unangenehmen politischen Lage im Land unter der Führung des Generals Pinochet. Nach der Rückkunft in Buenos Aires entstand 1966 im Anschluss an eine konsequente Arbeitsphase das Streichquartett.
 
 
1.6.  Von den ersten Dirigaten bis zur Ernennung zum zweiten „Director de la Orquesta Sinfónica Nacional“ 1972
 
Sein erstes professionelles Dirigat absolvierte Sarmientos am 29. Mai 1957 mit dem guatemaltekischen Nationalorchester mit seinem eigenen Ballettstück Pajaro blanco. Ein Jahr darauf, 1958, dirigierte er die Uraufführung seines ersten Klavierkonzerts mit seinem ehemaligen Klavierlehrer José Arévalo Guarra als Solisten und Widmungsträger. Die Comisión de Arte y Disciplina de la Sinfónica Nacional lud Sarmientos dann 1959 ein, ein Programm ohne eigene Werke zu dirigieren. Auf dem Programm standen neben dem ersten sinfonischen Werk des guatemaltekischen Zeitgenossen Joaquín Orellana die dritte Leonoren-Ouvertüre und das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Solist des letzteren war der Konzertmeister des Nationalorchesters, José Santos Paniagua. Zuletzt folgte Igor Strawinskys Feuervogel.
Ebenfalls 1959 nahm Jorge Sarmientos als musikalischer Begleiter der Truppe des Teatro de Arte universitario der Universität San Carlos an einer dreimonatigen Tournee durch mehrere Länder Europas (einschließlich der Türkei) und Israel teil. In Jerusalem erhielt er am 31. Dezember 1959 die Gelegenheit, das israelische Radiosymphonieorchester KOLL ISRAEL mit seinen und anderen guatemaltekischen Werken im Konzertsaal des Y.M.C.A. zu dirigieren. Darunter waren die Werke Xibalbá und Estelas de Tikal von Ricardo Castillio, Sarmientos´ Stück Fiesta en el mercado aus den 5 Estampas Cackchiqueles und das gesamte Ballett Pajaro Blanco. Weil der Schlagzeuger des Orchesters Probleme hatte, auf dem Marimbaphon den guatemaltekischen Rhythmus son barrenio zu spielen, musste Sarmientos diesen Part während des Dirigierens selbst übernehmen[85]. Ermöglicht wurden diese Dirigiate durch die Anstrengungen der guatemaltekischen Botschafterin in Israel, Francisca Fernández Hall.
 
Nach dem Dirigat 1965 in Chile, anlässlich des Kompositionsstipendiums in Buenos Aires, gelang es Sarmientos 1969, sich für einen von Pierre Boulez und dem Philharmonischen Orchester der Stadt Basel veranstalteten vierwöchigen Meisterkurs für Strukturanalyse und Interpretation Zeitgenössischer Musik zu qualifizieren. Informationen über diesen Kurs hatte Sarmientos von seinem Kollegen Rodrigo Asturias erhalten[86].
Der Tagesablauf dieses Kurses unter der Leitung von Pierre Boulez sah wie folgt aus:
 Von 09.00 bis 12.00 Uhr praktische Arbeit mit dem Orchester, nach einer Mitagspause von 14.00 bis 18.00 Uhr gemeinsame Werkanalyse und nach dem Abendessen von 20.00 bis 23.00 Uhr wieder Arbeit mit dem Baseler Orchester. Innerhalb von vier Wochen erarbeitete sich Sarmientos analytisch und dirigiertechnisch Bela Bartoks Der wunderbare Mandarin, Igor Strawinskys Chant du Rossignol, Anton Weberns Symphonie op. 21, Werke von Luciano Berio,  Arcana von  Edgar Varèse, die 3 Stücke op. 3 für Orchester von Alban Berg, Karlheinz Stockhausens Punkte[87] und schließlich Eclats von Pierre Boulez. Erst 1974 kam es anlässlich eines Konzertes des New York Philharmonic Orchestra wieder zu einem Zusammentreffen zwischen Sarmientos und dem von ihm als „Mozart des 20. Jahrhunderts“ verehrten Pierre Boulez in New York. Dieser beklagte sich damals auf einem Empfang im Grünen Saal des Lincoln Center bei Sarmientos über das musikalisch konservative und der zeitgenössischen Musik gegenüber wenig aufgeschlossene New Yorker Publikum[88], dessen fest eingefahrene Hörgewohnheiten er aufzubrechen beabsichtigte[89], was seiner Meinung nach nur sehr schwer zu bewerkstelligen war. Sarmientos erhielt nach diesem letzten Zusammentreffen die Einladung, jederzeit die Wirkungsstätte von Boulez in Paris, das Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique ( IRCAM) besuchen und dort arbeiten zu können.
 
Im Jahre 1972 wurde im italienischen Bologna ein internationaler Meisterkurs für Berufsdirigenten ausgeschrieben, der von Sergiu Celibidache geleitet werden sollte. Dank der Unterstützung des Leiters des italienischen Kulturinstituts in Guatemala Stadt, Dr. Guiseppe d´Angelo, konnte Jorge Sarmientos die Reise nach Bologna antreten. Dort erwartete die zahlreich erschienenen Teilnehmer zunächst ein vierstufiges Auswahlverfahren, denn nur zwölf Dirigenten sollten zu diesem Kurs zugelassen werden.
 Zuerst die Ausharmonisierung einer vorgegebenen Melodie, dann die Instrumentierung und Orchestrierung dieser harmonisierten Melodie nach den Vorgaben Celibidaches (unter anderem wurde eine Viola da Gamba vorgegeben), an dritter Stelle sollte eine geschickte Modulation zwischen zwei Tonarten entwickelt werden und den Abschluss bildete ein Vordirigieren. Sarmientos führte den Modulationsweg über die vorgeschriebene Zieltonart hinaus musikalisch sinnvoll weiter und erntete dafür ein spezielles Lob von Celibidache. In der praktischen Dirigierprüfung mit dem Opernorchester Bologna verlangte Celibidache Ausschnitte aus Carl Maria von Webers Euryanthe, Peter Iljitsch Tschaikowskys Blumenwalzer aus der Nussknacker-Suite und den ersten Satz der Symphonie Classique von Sergej Prokoffiev. Zu seiner Überraschung wurde Jorge Sarmientos als einziger Komponist des amerikanischen Kontinents aus  35 angereisten zur aktiven Teilnahme an Celibidaches Meisterkurs zugelassen. Die 12 ausgewählten Teilnehmer kamen aus Japan, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Schweden, Italien, China und eben Guatemala. Die folgenden vier harten Wochen zählten für Jorge Sarmientos in seiner Laufbahn mehr als jeder gewonnene Preis.[90]
Celibidache legte in seinem Meisterkurs großen Wert auf präzise Armbewegungen, niemals sollte zu weich aus dem Handgelenk dirigiert werden. Die Karfreitags-Szene aus Richard Wagners Oper Parsifal wurde unter diesem Aspekt  erarbeitet.
Gleich in der ersten Woche kam es zu einem unangenehmen Vorfall, der das sonst sehr gute und verständnisvolle Verhältnis[91] zwischen Celibidache und Sarmientos trübte: Celibidache suspendierte ihn für eine Woche vom aktiven Dirigieren.
Jorge Sarmientos spricht heute davon, dass er damals durch die Zeitumstellung, von der Reise und von den Anspannungen des Auswahlverfahrens so angestrengt und übermüdet war und deswegen in der ersten Woche während eines Kurs einschlief. Celibidache verwies ihn daraufhin wütend des Raumes, verbot ihm die weitere Teilnahme am Kurs. 
Nach einer aus Enttäuschung und Kummer durchzechten Nacht, kam es am nächsten Morgen zu einem klärenden Gespräch zwischen den beiden und Sarmientos durfte weiterhin am Dirigierkurs teilnehmen, allerdings musste er die erste Woche, quasi als Strafe für sein undiszipliniertes und vermeintlich desinteressiertes Verhalten, mit der Rolle des passiven Zuhörers zufrieden sein. In der folgenden Woche dirigierte Sarmientos einen Abschnitt aus Richard Wagners Parsifal  und wurde von Celibidache wegen seiner richtigen und präzisen Tempowahl gelobt. Im Unterschied zu den europäischen Teilnehmern, die allesamt Spezialisten des Dirigierfaches waren, hatte Sarmientos den Vorteil, auf eine lange praktische Erfahrung als Orchestermusiker zurückgreifen zu können, daher auch sein entwickeltes Gespür für die Tempowahl eines Werkes.
 Die Arbeitsphasen dauerten, einige kleine Pausen eingeschlossen, von 08.30 Uhr morgens bis weit nach 21.00 Uhr nachts. Folgende Werke wurden in den vier Wochen studiert und praktisch erarbeitet:
Die Stücke Nuages und Fetes aus den Nocturnes von Claude Debussy, Maurice Ravels Rhapsodie espagnole, Sergej Prokoffievs Symphonie classique, Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 39 KV 543 Es-dur, Joseph Haydns Nr. 94 G-Dur (”Surprise/Mit dem Paukenschlag”), Richard Wagners Opern Parsifal und Siegfried und der Liebestod aus der Oper Tristan und Isolde, Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 7, A-Dur op. 92, Johannes Brahms´ Variationen über eine Thema von Haydn in B-Dur, Le Baiser de la fée und die Symphonie in C von Igor Strawinsky, Romeo et Juliette von Hector Berlioz, Carl Maria von Webers Euryanthe und die symphonische Dichtung Till Eulenspiegel von Richard Strauss.
Am 30. September 1972 bekam Sarmientos von Sergiu Celibidache das Diplom über die erfolgreiche Teilnahme am Meisterkurs überreicht.
 
Aber noch ein anderer Vorfall machte für das Jorge Sarmientos das Jahr 1972 im Hinblick auf seine weitere Entwicklung zu einem bedeutenden. Anläßlich eines Musikfestivals in dem historischen Städtchen Antigua Guatemala wurde Sarmientos´ 1962 komponiertes Ballett-Drama El Baile de la Conquista aufgeführt. Nach dem Konzert wurde Sarmientos von der Direktorin der Bellas Artes, Eunice Lima mitgeteilt, dass der Staatspräsident General Carlos Aran(i)a Osorio[92] ihn persönlich zu sprechen wünschte. Bei diesem kurzen Zusammentreffen erfuhr Sarmientos erstmals die Bewunderung seiner Musik durch einen führenden Militär[93]. Kurz darauf erfolgte eine  Einladung zu einem Empfang des Präsidenten im Nationalpalast der Hauptstadt, für den Sarmientos als Repräsentant aller am Musikfestival in Antigua beteiligten Musiker ein Rede vorbereiten sollte. Zwei seiner Freunde, der bekannte guatemaltekische Musikkritiker René Augusto Flores und Mario Silva Jonama redigierten das ursprünglich zu offensiv und allzu politisch- provokativ geratene Manuskript zu einer diplomatisch ausgewogenen Ansprache. In einem persönlichen Gespräch mit dem Präsidenten sollte Sarmientos seine Wünsche für die Zukunft äußern. Neben Unterstützung für den Komponistenkollegen Joaquín Orellana, eine gemeinsam geplante Schule für elektro-akustische Komposition und für das Nationalorchester erbat Sarmientos für sich persönlich nur ein Ende der politischen Verfolgung durch Behörden und Polizei. Der Staatspräsident ließ sich Sarmientos´ Lebensgeschichte erzählen, zeigte sich als verständiger und mitfühlender Mensch, was Sarmientos immer wieder überraschte und versprach der Familie Hilfe und finanzielle Unterstützung.  Als Ergebnis dieser persönlichen Annäherung zwischen General Aran(i)a und dem Komponisten kann man wohl die noch 1972 erfolgte Ernennung zum Director Musical y Artístico de la Orquesta Sinfónica Nacional de Guatemala betrachten.
 
Diese Ernennung darf als ebenso problematisch wie einzigartig in der Orchestergeschichte bezeichnet werden, denn es existierte mit dem Dirigenten Ricardo del Carmen bereits ein Orchesterchef des Nationalorchesters. Mit der Beförderung von Sarmientos wurde die Stelle des Generalmusikdirektors in zwei Sparten geteilt: die Zuständigkeit von Ricardo del Carmen wurde auf das klassisch-romantische Orchesterrepertoire beschränkt und Jorge Sarmientos erarbeitete mit dem Orchester ausschließlich Werke zeitgenössischer und neuer Musik. Dieses politisch gewollte Arrangement schien in der Praxis jedoch nicht immer reibungslos funktioniert zu haben. Als der Verfasser des vorliegenden Textes 1999 in Guatemala Stadt versuchte, Ricardo del Carmen über seine Zusammenarbeit mit seinem gleichberechtigten Chefdirigenten-Kollegen zu befragen, wurden über einen langen Zeitraum hinweg alle Interviews höflich, aber konsequent abgesagt. Mittlerweile verstarb Ricardo del Carmen und es gab in Guatemala von älteren Orchestermusikern nur zurückhaltende und vorsichtig angedeutete Aussagen über das problematische Arbeitsklima zwischen diesen beiden Dirigenten. Von 1972 an standen sich im Umfeld des guatemaltekischen Nationalorchesters also zwei musikalische Anhängerschaften gegenüber, deren gegenseitiges Verhältnis lange Zeit von Feindschaft oder zumindest von großem Misstrauen geprägt war.
 
1.7. Wichtige Ereignisse zwischen 1973 und der Gegenwart
Durch die Beförderung vom Solopauker zum 2. Chefdirigenten des Nationalorchesters und die damit verbundene Zunahme von künstlerischer wie verwaltungstechnischer Arbeitsbelastung blieb Sarmientos immer weniger Zeit zum Komponieren übrig. Unter seiner Leitung wurden bis 1991 über 300 Werke moderner und zeitgenössischer Komponisten erstmals in Guatemala aufgeführt[94].
Den Versuch, neben seiner Dirigiertätigkeit einen akademischen Titel an der Universidad San Carlos zu erlangen, gab Sarmientos 1976 auf. Er hatte sich 1971 dort für eine Ausbildung zum Kunsthistoriker inskribiert und war wohl nicht mit der fachlichen Qualifikation eines Dozenten für Harmonielehre, Manuel Alvarado einverstanden gewesen[95]. Auf Grund der ständigen Reibereien mit diesem Mann verließ Sarmientos die Universität San Carlos, ohne einen akademischen Titel erhalten zu haben.
 
Bereits 1969 lud der Dekan der Humanistischen Fakultät der Universidad Rafael Landívar, Dr. Antonio Gallo S. J., Jorge Sarmientos ein, im Status eines Honorarprofessors für Studierende der höheren Semester Philosophie, Literatur, Journalismus und Psychologie Kurse über musikalisches Allgemeinwissen und Werkhören zu halten[96]. Unter den Studenten, die diese Kurse damals besuchten, waren heute in Guatemala bekannte Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Mario Alberto Carrera, der Anthropologe Dr. Mario Roberto Morales, der Journalist Antonio Sandoval, der Verleger und Fregattenkapitän Juan Fernando Cifuentes, der Kultusminister Manuel Salazar und andere mehr. Die Veranstaltungen fanden zum Teil im Hause des Komponisten statt, wo man in geselliger Runde Schallplatten und Tonbänder anhörte und analysierte.
 1980 beendete Sarmientos diese Nebentätigkeit und wechselte, ebenfalls als Honorarprofessor, an die Universität Francisco Marroquín. Mit Unterbrechungen, d. h. einem einjährigen, politisch motivierten Aufenthalt in Veracruz/Mexiko von 1981 bis 1982, unterrichtete er dort bis 1984 Harmonielehre und Analyse zeitgenössischer Musik. In dieser Zeit komponierte er auch die offizielle Hymne dieser Universität über einen Text des Prorektors Dr. Rigoberto Juárez Paz[97].
In den folgenden Jahren nach seiner Ernennung, neben der offiziellen Dirigententätigkeit, hielt Sarmientos beständigen Kontakt zu anderen lateinamerikanischen Orchestern, mit denen er immer wieder zusammenarbeitete: 1973 mit dem Symphonieorchester von Toluca/Mexiko, mehrere Male mit dem Symphonieorchester Veracruz/Mexiko in Jalapa (1980 und 1989), 1979 mit der Sinfónica Nacional de Mexico in Mexiko Stadt, ebenfalls 1989 in Maracaibo und Caracas in Venezuela mit dem Orquesta Sinfónica Simon Bolívar.  Des weiteren oftmals mit brasilianischen Orchestern in Rio de Janeiro, in Sao Paolo (1995) und in Buenos Aires/Argentinien. In den jeweiligen Konzertprogrammen tauchten neben eigenen Werken und denen anderer zeitgenössischer lateinamerikanischer Komponisten immer wieder Werke seines Lieblingskomponisten Maurice Ravel („Dafnis et Chloe“), Werke von Bela Bartok („Der wunderbare Mandarin“) und Igor Strawinsky auf. Orchesterliteratur, die in den Meisterkursen in Basel und Buenos Aires studiert wurde.
Trotz der durch die hauptberufliche Dirigententätigkeit vermehrten Arbeitsbelastung entstanden einige für Jorge Sarmientos wichtige Kompositionen, zu denen er einen starken persönlichen Bezug hatte. Am 4. Februar 1976 um 03.03 morgens erschütterte ein Erdbeben der Stufe 7,7  der Richter-Skala Guatemala. Es gab über 20 000 registrierte Todesfälle und unzählige Schwerverletzte. Jorge Sarmientos veranlasste diese nationale Tragödie und das Elend der Bevölkerung Guatemalas zur Komposition des Orchesterwerkes Ofrenda y Gratitud,  was frei übersetzt Opfergabe und Dankbarkeit bedeuten soll.
1977 erhielt Sarmientos vom Festival de Música Latinoamericana Contemporánea einen Kompositionsauftrag für ein Orchesterwerk, das im November 1977 in Maracaibo in Venezuela vom dort ansässigen Symphonieorchester uraufgeführt werden sollte. Es entstand das Stück El Responso: Homenaje II, dedicado a Mario López Larrave, in Erinnerung an den langjährigen Freund, Rechtsanwalt und in den politisch-militärischen Wirren Guatemalas ermordeten Revolutionär Mario López Larrave. Rattern von Maschinengewehren, marschierende und tötende Soldaten, harmonische Klänge, die „Glühwürmchen“ symbolisieren, zu Polytonalität aufgeschichtete Klänge, ein Choral im Stile Wagners bilden eine programmatische Kollage. Sarmientos konzipiert für dieses gewalttätige Werk  neue Klangmöglichkeiten wie Marschtrommeln, die mit speziellen Kämmen gespielt werden oder die  Verwendung von Sirenen. 1981 und 1982 wurden vom Ministerio de Educacíon explizit weitere Aufführungen dieses Werkes untersagt. General Romeo Lucas vertrat, interessanterweise mit der Zustimmung einiger Orchestermusiker die Meinung, dass solche allzu realitätsnahen Kompositionen nicht mehr  gespielt werden sollten. Häufiger wurde El Responso dagegen vom Nationalorchester Mexiko aufgeführt[98].
 
Zwischen 1980 und 1981verbrachte Jorge Sarmientos ein Jahr in Jalapa/Veracruz/Mexiko und arbeitete als vertraglich verpflichteter Komponist und Dirigent mit beim Aufbau eines neuen Orchesters, des Orquesta Autónoma de Veracruz. Vereinbart war neben Dirigierklassen auch die Komposition neuer Werke. Zuerst entstand die Música concertante para clarinete y orquesta, danach folgte das Nocturno für Klavier und Streichquartett, für das Gitarrenensemble der Universität Veracruz schrieb er als drittes Werk das Preludio y Serenata Rítmica para 4 guitaras y crótalo. Letzteres wurde mit dem in Mexiko berühmten Gitarristen Alfonso Moreno in Guatemala uraufgeführt. 1994 fertigte Sarmientos daraus eine Version für Streichorchester an, die sein Sohn Igor mit dem Universitätsorchester Sao Paolo/Brasilien erstmals in Guatemala aufführte. Zuvor war es in Brüssel vom Orquesta Sinfónica El Salvador unter der Leitung von Dr. German Cáceres gespielt worden[99]. Die letzte der 1981 in Jalapa/Veracruz entstandenen Kompositionen war eine Hommage mit dem Titel Bra-gar-fonías für gemischten achtstimmigen Chor, Klavier, Pauken und Schlagzeug.
 Der Titel enthält die Anfangsbuchstaben des Namens des damaligen Rektors der Universität von Veracruz, Dr. Roberto Bravo Garzón. Er hatte  Jorge Sarmientos mit den Kompositionsaufträgen, den Dirigierklassen und dem damit verbundenen, bezahlten einjährigen Aufenthalt in Mexiko aus einer  politisch sehr schwierigen Situation in Guatemala  herausgeholt und sprichwörtlich „in Sicherheit gebracht“. Inwieweit der Aufenthalt in Mexiko politisch mit dem tragischen Tod von Jorge Sarmientos´ Schwager Lionel Roldan, dem Bruder seiner zweiten Frau Matilde, am 04. Dezember 1980 in Verbindung gebracht werden kann, bleibt nur zu vermuten. Lionel Roldan arbeitete im Rektorat der Humanistischen Fakultät der Universität San Carlos, galt als fortschrittlich denkend und gesellschaftskritischen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Er wurde Anfang Dezember bei einer Autofahrt vermutlich von Mitarbeitern der Polizeibehörden überfallen und entführt. Alle übrigen Insassen des Wagens waren bei dem Überfall erschossen worden.  Am 04. Dezember 1980 wurde die Familie Sarmientos in Mexiko telefonisch und anonym darüber informiert, dass die Leiche Lionel Roldans angekettet bei Straßenkilometer 18 in Richtung des Neubaugebiets Villa Nueva zu finden sei. Die Leiche wies Folterspuren auf[100]. Jorge Sarmientos sah sich gezwungen, seinen Aufenthalt in Mexiko zu unterbrechen, um in Guatemala die Beerdigung seines Schwagers zu veranlassen und zu organisieren.
 Nicht unerwähnt bleiben sollte schließlich die in Veracruz erfolgte Komposition eines mit Nostalgia betitelten Bossanova für eine mexikanische Jazzformation.
 
Wieder in Guatemala schrieb Sarmientos im Jahr 1982 sein “ coro poema sinfónico“, die „symphonische Chordichtung“ Bolívar nach den Texten El Bolívar und El Credo des Literaturnobelpreisträgers Miguel Angel Asturias. Ähnlich wie schon in seinen Tres cuadros corales aus dem Jahr 1964 lässt er den Chor hier wechselweise singen und rezitieren.
 
Die für Jorge Sarmientos kompositorisches Schaffen bedeutsame erste Reise nach Japan unternahm er 1988, wo in einem Festival der Lateinamerikanischen Musik sein Orchesterstück Ofrenda y Gratitud aufgeführt werden sollte. Eine zweite Reise unternahm er in seiner Funktion als Dirigent zu einem weiteren in Japan veranstalteten  Festival, das ausschließlich der lateinamerikanischen Musik gewidmet war. Bei dieser Gelegenheit wurde Sarmientos von einem reichen japanischen Industriellen, zusammen mit dem Schriftsteller und Freund Yukitaka Hirao zu einer Besichtigung der Stadt Hiroshima eingeladen und mit dem Schicksal der Bewohner nach dem 06. August 1945 konfrontiert.. Jorge Sarmientos war nach dem Besuch des dortigen Museums erschüttert und zugleich entschlossen, das gesehene und empfundene Grauen über den Atombombenabwurf vom 06. August 1945 eines Tages in Musik umzusetzen.
Im Jahre 1991 hatte Sarmientos seine Tätigkeit als 2. Chefdirigent des Nationalorchesters beendet und gewann somit mehr Freiraum für neue kompositorische Projekte. 1993 begann sich die Idee für ein neues Werk über die Bombentragödie von Hiroshima  zu verdichten und Sarmientos fand mit Hilfe der Beziehungen seines Freundes Yukitaka Hirao in Japan große Unterstützung und Zustimmung für dieses Projekt. Inwieweit das erschütternde Hörerlebnis von Krzysztof Pendereckis Threnos – den Opfern von Hiroshima im Jahre 1965 im Teatro Colón in Buenos eine weitere Inspirationsquelle darstellte, kann hier nur vermutet werden. Hirao konfrontierte Sarmientos sogleich mit einem festen Termin für die Fertigstellung des Werkes: im Juni 1994 sollte die fertige Komposition in Japan sein[101]. Aber Sarmientos hatte noch im März 1994 Schwierigkeiten, seine Ideen zu organisieren, die Arbeit ging nur schleppend voran. Die wichtigste Inspiration lieferte ihm in dieser Phase das Kinderbuch Hiroshima No Pika der japanischen Malerin Toshi Maruki, das er im Original und in der von Estela L. de Shimizu übersetzten Version El destello de Hiroshima (der Lichtblitz von Hiroshima“) besaß[102].
Aus dem Blickwinkel eines kleinen Mädchens werden in dem Kinderbuch mit einem bebilderten Text die Erlebnisse um den 06. August 1945 und die Folgen der Katastrophe geschildert. Die Lektüre dieses Buches war für Sarmientos das auslösende Moment, von da an ging die Kompositionsarbeit zügig voran. Dass El destello für Jorge Sarmientos eines seiner wichtigsten Werke darstellt, beweist die Tatsache, dass es das einzige Werk war und ist, über das er selbst im Annuario Musical 1996 der Universität Rafael Landívar einen gleichnamigen Artikel verfasst hat.
 Dort beschreibt er den musikalischen Verlauf der Komposition, gibt Auskunft über die Quellen der Inspration  und macht sogar kritische Anmerkungen zu den beiden Aufführungen in Japan.
El Destello de Hiroshima ist eine Symphonische Dichtung in freier Form, bestehend aus drei miteinander verbundenen Teilen.  Sarmientos sprach in einem Interview davon, dass er sich immer das genommen hat, was für seine Vorstellung von Musik brauchbar war, in dem Sinne, dass ihm kompositorische Richtlinien und akademisch-ideologische Zwänge im Bezug auf einen gewünschten musikalischen Ausdruck nie etwas bedeutet hätten. So verwendete er nach eigener Aussage Tonales, Bitonales, Polytonales und chromatische Klangblöcke im Destello, ohne Rücksicht auf irgendwelche erwarteten kompositorischen Konventionen oder aktuelle Moden zu nehmen. Der erste Teil ist mit El amanecer del 6 de agosto de 1945 (die Morgendämmerung des 06. August 1945) überschrieben und schildert eine seltsame Szenerie, in der Vogelstimmen die nahende Katastrophe ankündigen. Der zweite Teil 08.15 del 6 de agosto imitiert musikalisch das blendende Licht und die Geräuschkulisse der explodierenden Atombombe, die Feuerhölle in den Strassen setzt Sarmientos mit  Effekten wie  einem „Weißen Rauschen“ mehrerer Idiophone um. Im dritten Teil taucht dann erstmals eine tonale Melodie auf, das Zitat eines Kinderliedes von Koki Kinoshita. Die Strophen des Liedes werden nicht gesungen, sondern Sarmientos beabsichtigte, sie deklamieren zu lassen, damit durch die unterschiedlichen Sprachen der verschiedenen Aufführungsländer musikalisch-textliche Asymmetrien vermieden werden können. Um das zu ermöglichen bewegt sich die musikalische Grundierung des Textes in einer Endlosschleife. Der Text des Koki-Kinoshita-Liedes lautet in englischer Übersetzung wie folgt[103]:
 

Hiroshima Song   (We Will Never Allow Another Atom Bomb to Fall)

A song by by Koki Kinoshita ©1955English words by EWAN McCOLL
In the place where our city was destroyed,
Where we buried the ashes of the ones that we loved,
There the green grass grows and the white waving weeds,
Deadly the harvest of two atom bombs.
Then brothers and sisters you must watch, and take care
That the third atom bomb never comes.
The sky hangs like a shroud overhead
And the sun’s in the cage of the black, lowering cloud.
No birds fly in the leaden sky,
Deadly the harvest of two atom bombs.
Then, brothers and sisters you must watch, and take care
That the third atom bomb never comes,
Gentle rain gathers poison from the sky
And the fish carry death in te depths of the sea;
Fishing boats are idle, their owners are blind,
Deadly the harvest of two atom bombs.
Then, landsmen and seamen you must watch, and take care
That the third atom bomb never comes,
All that men have created with their hands
And their minds, for the glory of the world we live in,
Now it can be smashed, in a moment destroyed,
Deadly the haryest of two atom bombs.
Then, people of the world, you must watch, and take care
That the third atom bomb never comes.
 
Ein ausgedehntes Decrescendo des Orchesters mit durchlaufenden Ostinatofiguren der Harfe und Celesta mündet in ein letztes Zitat der Kinoshita-Melodie, gespielt von einem Streichquartett. Mit den Worten der Malerin Toshi Maruki in spanischer Übersetzung „que no vuelva a suceder nunca“ („ dass es niemals mehr geschehen möge“) endet das Werk.
El Destello de Hiroshima wurde in Japan zum 50. Jahrestag des Atombombenabwurfs am 04. August 1995 in Nagoya und am 06. August mit dem Philharmonischen Orchester in Tokio unter der Leitung von Kasuhiko Komatsu uraufgeführt. Jorge Sarmientos äußerte sich in dem oben erwähnten  Artikel im Annuario Musical 1996 durchaus kritisch zu den Interpretationen in Japan. Da mit dem Text des zitierten Liedes beim Publikum alte Wunden aufgerissen hätten werden können, nicht verarbeitete und verschwiegene Geschichte beim japanischen Publikum sehr kontrovers aufgefasst hätte werden können, veranlasste der Direktor der Philharmonie in Nagoya die Weglassung einiger Textstellen. In Tokio dagegen wurden die Textstellen original interpretiert, dafür beklagte Jorge Sarmientos die Weglassung des Altsaxofons und die wenig engagierte Deklamation des Textes, der wiederum in Nagoya seiner Meinung nach wesentlich besser ausgestaltet worden war. 1998 dirigierte Kasuhiko Komatsu das Werk noch mehrere Male in Japan, dann folgten Aufführungen unter seiner Leitung in Salzburg und Wien. Am 23. Oktober 1998 wurde El Ddestello  erstmals in Lateinamerika, in Caracas/Venezuela mit dem Orquesta Sinfónica Simon Bolívar unter der Leitung des Komponisten gespielt. Komatsu dirigierte es 1999 in Guatemala (zusammen mit dem Marimbakonzert) und Sarmientos leitete es im selben Jahr nochmals in Puerto Rico.
Jorge Sarmientos betrachtete El Destello und das Marimbakonzert als seine erfolgreichsten und international populärsten Kompositionen. Sich selbst sah er immer in der Rolle des komponierenden Kämpfers für die Menschenrechte, gegen soziale  Ungerechtigkeit und gegen den offenen Rassismus in Guatemala, in der Rolle eines Mahners der Menschenwürde[104].
 
Am 31. Dezember 1999 feierte Jorge Sarmientos sein vierzigjähriges Jubiläum als Dirigent und Komponist. Im selben Jahr beteiligte er sich an der Organisation eines der größten mittel- und südamerikanischen Komponistenkongresse für Zeitgenössische Musik in Guatemala, dem 10. Foro de compositores de centromamérica y del Caribe mit 23 anwesenden Komponisten aus 10 Ländern und insgesamt 9 Konzerten.
Erst  im Oktober 2000 entschloss sich Sarmientos, einer der deutschen GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte) entsprechenden Organisation mit seinen Werken beizutreten: der in Spanien beheimateten Sociedad General de Autores de Espana, um wenigstens im Alter noch ein wenig von seinem Urheberrecht Gebrauch machen und entsprechende Tantiemen verdienen zu können.
Seinen siebzigsten Geburtstag feierte Jorge Alvaro Sarmientos am 19. Februar 2001 und nahm sich dieses Datum als seinen entgültigen Rückzug aus dem Konzertleben vor. Sein Vorsatz lautete, ab 2002 nur noch gelegentlich Dirigate zu besonderen Anlässen, Festivals oder ähnlichen zu übernehmen und seine Zeit hauptsächlich dem Komponieren zu widmen.
So dirigierte er am 18. Oktober 2003 in einem ihm gewidmeten Festival das Orquesta Sinfónica Jesus Castillo mit einem Programm bestehend aus dem Konzert für Violine und Violoncello von Johannes Brahms, seinen eigenen Tres danzas del Rabinal Achí aus dem Jahre 1959, den Ouvertüren zu Mozarts Opern Don Giovanni und Nozze di Figaro[105].
Seine tief empfundene Verbindung zum Jazz demonstrierte Sarmientos am 13.August 2005 als Dirigent der Mosaico Jazz Big Band beim VIII Festival del Centro Historico der Hauptstadt Guatemala[106].
Bis zum Jahr 2003 wohnte Jorge Sarmientos mit seiner Frau Matilde und seiner Tochter Monica in einem bescheidenen Haus in der 3. Avenida Zona 2 der Altstadt Guatemalas, einem Viertel, das zusehends unter der wachsenden Kriminalisierung der jugendlichen Stadtbewohner litt und vor allem für ausländische Besucher nach Einbruch der Dunkelheit zu einer gefährlichen Bedrohung werden konnte.
Seit dem 18. August 2004 lebt Jorge Sarmientos 31.5 Kilometer außerhalb des ausgedehnten Hochtals der Hauptstadt Guatemalas im eigenen Haus in einem Wohngebiet mit dem schönen Namen Jardines de Santiago in der  Avenida Los Pinos No. 142 zwischen den Dörfern San Lucas und Santiago Sacatepequez[107].
Copyright 2007 Wolfgang Ponader
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



 

[1] Landarbeiter und Tagelöhner ohne eigenen Grundbesitz
[2] Das Wort Indígena bezeichnet  in Guatemala  die heute lebenden Nachkömmlinge der Mayas.
[3] Int. Pon. 2000/ManuRuLo 1997, S. 22 ff.
[4] großflächiges Landgut
[5] Das typische guatemaltekische Marimba-Ensemble besteht aus einer großen Marimba für 4 Spieler mit den Positionen Bajo, Centro, Tiple, Picolo und einem kleineren Instrument  mit  3 Positionen Tenor, Centro und Picolo. Weitere beteiligte  Instrumente sind ein Kontrabass und ein Schlagzeug.
[6] Int. Pon. 2000/ ManuRuLo 1997, S. 25
[7] Afro-Lateinamerikaner
[8]Int. Pon. 2000/ ManuRuLo 1997, S. 26
[9] Int. Pon. 20200/ ManuRuLo 1997, S. 27
[10] Int. Pon . 2000/ ManuRulo 1997, S. 43 und 45
[11] später geändert in Salvador Levi
[12] Nach eigenen Aussagen improvisierte/komponierte Sarmientos schon früh verschiedene Walzer, Tangos und Boleros („Música popular“).
[13] Der spontane  Wechsel von Oboe zu Saxofon wurde Sarmientos von seinem Befürworter, dem Oboisten Gómez persönlich sehr übel genommen. Erst viel später konnte dieses persönliche Problem aus dem Weg geräumt werden.
[14] Sarmientos spielte für sein Nebenfachexamen das 2. Klavierkonzert von Beethoven und die Symphonischen Variationen von César Franck (nach ManuRuLo 1977, S. 57)
[15] Ehemalige Schülerin von Alfred Cortot am Conservatoire in Paris
[16] Ihm widmete Sarmientos 1956 sein 1. Klavierkonzert in a-moll , das er zusammen mit Guerra am Flügel 1958 als Dirigent des Orquesta Sinfónica Nacional uraufführte.
[17]  Int. Pon. 2000
[18] ManuRulo 1997, S. 62
[19] Albert Lavignac (Paris, 1846 – 1916)
[20] mit dem Symphonieorchester des Konservatoriums unter der Leitung von Augusto Ardenois im teatro y cine Lux.
[21] Edward MacDowell (1860 – 1908) komponierte zwei Klavierkonzerte: das Piano Concerto Nr. 1 a-moll op.15 und das Piano Concerto Nr. 2 d-moll op.23
[22] Näheres zu dieser Methode war nicht zu recherchieren.
[23] von Heinrich Joseph Bärmann (Potsdam 1784 – München 1847) oder seinem Sohn Carl Bärmann (München; 1811 – 1885) komponiert, beide waren bekannte Klarinettisten.
[24] vermutlich das bekanntere Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur op. 74 von 1811
[25] Johannes Brahms (1833 – 18979 schrieb die beiden Sonaten für Klarinette und Klavier in f-moll  

op. 120,1 und in Es-Dur op. 120,2

[26] Quintett op. 16 für Klavier, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn von 1796
[27] Alexander Konstantinowitsch Glasunow (Petersburg 1865 – Paris 1936)
[28] Nikolaj-Andrejewitsch Rimskij-Korsakow (1844 – 1908)
[29] Franz Ippisch (Wien 18. 07. 1883 – Guatemala Ciudad 20. 02. 1958); Komponist, Violoncellist und Professor für Musiktheorie am Conservatorio Nacional. Komponierte eine Oper, 5 Symphonien, Ouvertüren, Tänze, 2 Violinkonzerte, ein Violoncellokonzert, Kirchenmusik, Chorwerke, Lieder und werke für Blasmusik, die sich heute noch im Wiener Nachlassarchiv befinden.
[30] Weitere europäische Musiker waren der ebenfalls aus Nazideutschland geflohene Geiger Diez Weissmann, der Cellist Heinrich Joachim (er wurde später Cellist bei den New Yorker Philharmonikern, Sarmientos traf ihn dort im Jahre 1965 wieder) und der Kontrabassist Galliani.
[31] Int. Pon. 2000
[32] Int. Pon.  2000/ ManuRuLo 1977, S. 52
[33]Int. Pon.  2000/ ManuRuLo 1977, S. 57 - 60
[34] Int. Pon. 2000/ ManuRuLo 1977, S. 64/65
[35] Die Brüder José Santos und Juan Carlos waren Söhne des Oboisten und Flötisten German Arturo Paniagua. José Santos war Geiger und der Cellist Juan Carlos entwickelte sich später zu einem bevorzugten Schüler von Pablo Casals.
[36] Der guatemaltekische Musikwissenschaftler Dr. Dieter Lehnhoff schrieb dazu in einer E-mail vom 22.03.2004 an den Verfasser: [Zitat] „… Auf der Universidad de San Carlos hat er 1950 –53 als Gasthörer Vorlesungen besucht, ohne zu inskribieren, da er zu der Zeit finanziell noch nicht in der Lage war, formell zu studieren (hierzu muß man allerdings bemerken, dass San Carlos als staatliche Universität frei und kostenlos für jeden zur Verfügung stand; zu der Zeit waren die akademischen Gebühren für einen Studierenden auf einen rein symbolischen Wert von Q. 5.— pro Jahr festgesetzt!). 1971 hat er dann inskribiert und die für die Ausbildung als Kunsterzieher vom Plan verlangten Kurse belegt. Zum Pensum gehörten auch mehrere Fächer in Musik (sprich: Musikgeschichte und Harmonielehre), für die ein gewisser Manuel Alvarado (geb. 1919) zuständig war. Sarmientos hielt diesen Lehrer, der zudem aus der gleichen Provinz wie er stammte , für äußerst unfähig, und weigerte sich, dessen Vorlesungen zu besuchen, da er sich selbst schon zu der Zeit für eine überragende internationale Größe hielt und meinte (wahrscheinlich mit Recht), diese Fächer weit besser zu beherrschen als Alvarado, den er immer schon verachtet und gehasst hatte. Auf keinen Fall wollte er sich nachsagen lassen, er sei der Schüler des Stümpers Manuel Alvarado! Aufgrund dieser Reibungen verließ Sarmientos 1976 dann empört die Universidad de San Carlos, ohne einen akademischen Grad erworben  zu haben.( Noch heute hat er nur schlechtes und obszönes von Alvarado zu sagen, den er – im Gespräch mit Dritten – immer als „hijo de puta“ und „esa mierda“ bezeichnet).“
[37] Die Tres Cuadros corales sinfónicos und ein sog. Coropoema namens Tecún Uman
[38]Int. Pon.  2000/ ManuRuLo 1977, S. 70
[39] bedeutet „Beerdigung und Romanze“
[40] Int. Pon. 2000/ ManuRuLo 1977, S. 73
[41] Int. Pon. 2000/ ManuRuLo 1077, S. 73
[42] 1. Satz „Canto des las tumbas“, 2. Satz  “El baile del torito”, 3. Satz “Canto campesino”, 4. Satz “Danza campesina”. Die Titel nehmen Bezug auf Kindheitseindrücke des Komponisten.
[43] Nach knapp 40 Jahren dirigierte Jorge Sarmientos´ Sohn aus erster Ehe, Jorge im Jahre 1993 einige Orchestrierungen dieser Klavierstücke mit einem brasilianischen Orchester; ManuRuLo S. 126
[44] ManuRuLo, S. 114
 [45] Int. Pon.  2000/ MauRuLo 1977, S. 78
[46] ManuRuLo, S. 121 - 124
[47] Der in Mexiko lebende Jude Abel Eisenberg war Chefdirigent des Symphonieorchesters von Veracruz/Mexiko in Jalapa.
[48] ManuRuLo, S. 125
[49] ManuRuLo, S. 80
[50] ManuRuLo, S. 83ff.
[51] Das Studienfach Orchesterschlagzeug existierte zu dieser Zeit am Nationalkonservatorium nicht.
[52] Eine renommierte Musikschule, die 1919 von dem berühmtenPianisten Alfred Cortot und Auguste Mangeot gegründet würde und zahlreiche bekannte Musiker ausbildete und ausbildet, siehe auch  

http://www.ecolenormalecortot.com/rep2/index.html

[53] Die 1953 im Anschluss an die Estampas caquchiqueles komponierten Klavierstücke wurden der zehnjährigen   in Guatemala lebenden argentinischen Ausnahmepianistin  Gladys Lebas zugeeignet.
[54] Für dieses auf folkloristische Elemente zurückgreifende Violakonzert von 1954 ließ sich Sarmientos in spieltechnischen Fragen von dem Bratschisten Milton Cabnal eingehend beraten. Das Werk wurde am 

 14. September 1955, vier Tage vor der Abreise nach Europa, von Cabnal uraufgeführt.

[55] Int. Pon. 2000
[56] Im  von Dr. Dieter Lehnhoff /Universidad Landívar Guatemala verfassten Artikel „Sarmientos“ im „Groves“ wird dieses Werk fälschlicherweise Una Remebranza vezeichnet.
[57] Eine kompositorische Studie über die verschiedenen menschlichen Gemütszustände.
[58] Int. Pon. 2000
[59] ManuRuLo, S. 101
[60] ManuRuLo, S. 95/96
[61] Int. Pon. 2000
[62] an Maríita Rodríguez und Hugo Carillo; nach ManuRuLo S. 106
[63] ManuRuLo S. 109 - 111
[64] Das Ballett umfasste damals 12 Mitglieder.
[65] ManuRuLo S, 128
[66] Den “Feuervogel” hatte Sarmientos in Paris auf dem Champs Elyseés mit der Ballettruppe „Balet del Marquéz de cuevas“, dirigiert von André Cruitanse, gesehen.
[67] Int. Pon. 2000/ManuRuLo S. 129 ff.
[68] Int. Pon. 2000
[69] Neben Jorge Sarmientos wurden von einer Kommission des Nationalorchesters die Dirigenten Manuel Alvarado und Enrique Raudales für Gastdirigate ausgewählt.
[70] Vida Chenoweth Website: http://marimbavidachenoweth.com/
[71] Int. Pon. 2000
[72] Der guatemaltekische Musikkritiker René Augusto Flores betitelte Manuel Gómez einmal wegen seines kräftigen Oboentones als El Tigre.
[73] ManuRuLo, S. 138
[74] Aus seiner zweiten Ehe gingen 2 Kinder hervor: Igor Sarmientos (* 25. 10. 1962) ist der derzeitige Direktor des Konservatoriums in Guatemala Stadt und Mónica Sarmientos arbeitet als bekannte Theaterschauspielerin.
[75] ManuRuLo S. 151
[76] ManuRuLo S. 153 - 157
[77] Der zweite junge und begabte guatemaltekische Komponist war Joaquín Orellana, bei dem Espinoza ein Streichtrio in Auftrag gab: ManuRuLo S. 147
[78] Int. Pon. 2000
[79] Jorge Sarmientos bezeichnete in allen Interviews die Stadt Buenos Aires als „das Paris Lateinamerikas“.
[80] Int. Pon. 2000
[81] Int. Pon. 2000
[82] Krzysztof Penderecki  Threnos – den Opfern von Hiroshima, für 52 Streichinstrumente 1960 komponiert, UA September 1961 in Warschau. Regte Sarmientos eventuell zur Komposition seines El destello de Hiroshima an. Quelle: http://www.klassika.info/Komponisten/Penderecki_Krzysztof/Orchester/1960_02/index.html
[83] Int. Pon. 2000
[84] Arbeitszeugnis der Universidad de Chile in Santiago vom 08. Juni 1966
[85] ManuRuLo S. 145
[86] ManuRuLo S. 147
[87] Karlheinz Stockhausen hat 1952 seine Orchesterkomposition “Punkte” geschrieben
und sie bis 1993 immer wieder revidiert
[88] Int. Pon. 2000
[89] Int. Pon. 2000
[90] Int. Pon. 2000
[91] Celibidache hob immer wieder positiv die musikalische Einstellung von Sarmientos hervor, sein „Musik machen“, das er immer wieder mit lobenden Bemerkungen bedachte.
[92] Seit 1970 als Präsident von Guatemala im Amt.
[93] ManuRuLo S. 161 - 164
[94] Int. Pon. 2000
[95] Siehe E-Mail des guatemaltekischen Musikwissenschaftlers Dr. Dieter Lehnhoff unter Fußnote 35.
[96] E-Mail von Dr. Dieter Lehnhoff, Universidad Rafael Landívar Guatemala vom 22. 03. 2004
[97] E-Mail von Dr. Dieter Lehnhoff, Universidad Rafael Landívar Guatemala vom  01. 03. 2004
[98] ManuRuLo S. 175 - 178
[99] ManuRuLo S. 179
[100] ManuRuLo S. 181 - 183
[101] ManuRuLo S. 212
[102] Jorge Sarmientos: „El destello de Hiroshima“ in Annuario Musical 1996, Cultura de guatemala – Septiembre-Deciembre 1996, Universidad  Rafael Landívar 1997, S. 43 - 46
[103] Quelle: http://unionsong.com/muse/unionsong/u236.html
[104] Int. Pon. 2000
[105] Prensa Libre, Guatemala vom 16. Oktober 2003
[106] Prensa Libre, Guatemala vom 12. August 2005
[107] E-Mail der Tochter Monica Sarmientos vom  23. Juli 2004

Kommentare

Kommentar von R. Krupp
Geschrieben am: 10. January 2012, 10:59


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Durch Zufall entdeckte ich den Namen meines guatemaltekischen Großvaters in ihrem Artikel und wurde zugleich mit einer interessanten Geschichte belohnt.
Vielen dank!

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